Gesundheit

Wo zwickt der Floh?

Wo zwickt der Floh? | Katzencontent
Verfasst von Kathrin

Woher kommen Flöhe?

Zunächst sei gesagt: Flohbefall hat nichts mit mangelnder Sauberkeit oder schlechter Hygiene zu tun.

Vom Ei zum Floh

Nur ca. 5% der Flohpopulation leben tatsächlich direkt am Wirt. Die restlichen 95% sind auf die Umgebung des Wirtes verteilt und lassen es sich in dunklen Ritzen, Polstern und Teppischen gut gehen. Denn da ein Floh verbringt nur den letzten Teil seines Lebens als „Blutsauger“ und ernährt sich vorher während drei Larvenstatien von organischen Abfällen und dem Kot anderer Flöhe. Wie lange die einzelnen Lavenstadien im einzelnen dauern, ist sehr variabel, was die Bekämpfung von Flöhen besonders schwierig macht.

nach 1 – 10 Tagen aus den Floheiern schlüpfen Larven
nach weiteren 7 – 28 Tagen Drittlarve verpuppt sich, nachdem die Larve  sich vorher zweimal gehäutet hat
nach weiteren 10 – 140 Tagen Floh schlüpft
nach ~ 21, maximal 110 Tagen am Wirt Floh stirbt

Nach dem Schlupf kann der Floh bis 56 Tage ohne Wirt überleben. Hat er allerdings zum ersten Mal Blut zu sich genommen, ist er nur noch 24 Stunden ohne erneute Blutmahlzeit überlebensfähig. Der weibliche Floh beginnt schon 24 – 48 Stunden nach der ersten Blutaufnahme mit der Eiablage und produziert dann ca. 25 Eier pro Tag. Das sind über 2000 Eier in einem Flohleben!

Flohbefall behandeln

Rundum-Behandlung

Grundsätzlich sollte der Schlachtplan gegen die Flöhe wie folgt aussehen

  • Die Flöhe auf der Katze müssen abgetötet werden, um dem Tier möglichst schnell Erleichterung zu verschaffen.
  • Floheier, Larven und Flöhe in der Umgebung müssen abgetötet werden.
  • Eine erneuter Befall muss verhindert werden.

Die erwachsenen Flöhe auf der Katze bekämpft man mit Insektiziden, die in Form von Pudern, Sprays oder sogenannten Spot-On-Präparaten (Auftropflösungen) erhältlich sind.

Gegen Flohlarven und Floheier sind Insektizidie dagegen unwirksam. Hier müssen Präparate eingesetzt werden, die in den Hormonhaushalt der Flöhe eingreifen und das Wachstum hemmen. Da diese Präparate wiederum nichts gegen erwachsene Flöhe ausrichten können, zeigen sie aber keine Sofortwirkung

Flohbefall verhindern

Am besten ist es natürlich, wenn man von vornherein verhindert, dass eine Katze mit Flöhen befallen wird und diese nach Hause bringt. Denn sind die Flöhe erstmal im Haus, wird man die zähen Plagegeister nur schwer wieder los.

Flohhalsband

Flohhalsänder sondern kontinuierlich Stoffe ab, die Flöhe abschrecken oder für diese gifitig sind. Dabei handelt es sich meist um Insektizide (z.B. bei Antiparasite Colors, Defender, Vitakraft, Gimpet, Bea Elegant Fresh, Bolfo) oder Wachstumshemmer  (z.B. Ovitrol).

Alternative Methoden

Häufig werden ätherische Öle als alternative Methode zur Verhinderung eines Flohbefalls empfohlen. Zu den dabei genannten Ölen zählen vor allem Neemöl und Teebaumöl, die äußerlich angewendet werden. Aber auch die Verabreichung von Knoblauch über das Futter kommt immer wieder zur Sprache. Hierbei muß dringend drauf hingewiesen werden, dass zahlreiche Studien belegen, dass ätherische Öle für Katzen giftig sein können.

Teebaumöl wird immer häufiger auch völlig kritiklos bei Katzen z.B. gegen Flöhe eingesetzt, ohne dass sich die Tierbesitzer über die tierartspezifischen Unverträglichkeiten beraten lassen. Folge ist, dass immer wieder Katzen mit „Teebaumöl-Vergiftungen“ in der Tierarztpraxis vorgestellt werden. Taumeln, chronische Abmagerung, Zittern, Unruhe, Schwäche (5, 6) sind die nur zu gut bekannten Symptome einer Teebaumöl – Vergiftung. Nicht selten endet die Vergiftung mit Koma und Tod der Katze. Werden vergiftete Katzen frühzeitig einem Tierarzt vorgestellt, so können sich die Tiere innerhalb zwei bis drei Tagen erholen (5).

Durch den Gehalt an Terpenen und Phenolen sind Teebaumöl und viele andere ätherische Öle (Thymian -, Oregano – und Zimtöle) für Katzen toxisch. Katzen können durch die fehlende Fähigkeit zur Glucuronidierung (Verstoffwechselung) diese Verbindungen nur sehr langsam ausscheiden, die Inhaltsstoffe des Teebaumöls reichern sich im Körper der Katze an, es kommt zur Vergiftung. Selbst wenn Tierbesitzer ihren Katzen nur wenige Tropfen Teebaumöl zur Flohbekämpfung auf das Fell tropfen, so können die Katzen doch bei der Fellpflege toxische Mengen aufnehmen und erkranken. 1

Eine Übersicht über alle Antiparasitika, Insektizide und Repellentien findet man im Tierarzneimittelkompendium der Schweiz.

Quellen

  1. Katzenkiller Teebaumöl

Wachstumshormone

Wirkstoffe, die dem Wachstumsregulator des Flohs gleichen, können vorbeugend eingesetzt werden.

Einer dieser Wachstumsregulatoren ist das sogenannte Pyriproxyfen, das dem chemischen Aufbau des Juvenilhormons entspricht. Während das natürliche Hormon einen reibungslosen Ablauf der Flohentwicklung bewirkt, sorgt das künstliche Hormon, Pyriproxyfen, auf der gesamten Bandbreite dafür, dass die Entwicklung unterbrochen bzw. massiv beeinträchtigt wird. So ist dieser Wirkstoff in der Lage, in ein intaktes Flohei einzudringen und dort die Eizelle zu schädigen. Bei der Larve hingegen verhindert Pyriproxyfen, dass ein Puppenstadium und damit letztlich auch ein erwachsenes Stadium erreicht wird. Auch in die Puppe dringt dieses künstliche Hormon ein und schädigt die Entwicklungsstufe derart, dass nicht oder nur bedingt geschlechtsfähige Flöhe schlüpfen.

Schließlich verhindert Pyriproxyfen bei den erwachsenen Flöhen die Produktion von Eiern sowie Samen und führt damit zu einer Unfruchtbarkeit. Selbst wenn das Weibchen noch Eier legen sollte, enthalten diese keine oder nicht lebensfähige Nachkommen. Mittels dieser umfassenden Wirkung ist eine mit diesem künstlichen Hormon behandelte Katze gegenüber allen möglichen Flohstadien geschützt.
Wird Pyriproxyfen vorbeugend eingesetzt, kann sich aufgrund der oben beschriebenen Wirkung ein Flohbefall auch nicht im Ansatz entwickeln. (Quelle: Virbac)

Pyriproxyfen ist als Spot-On-Präparat erhältich. Auf die Haut aufgetragen verteilt es sich über die obere Hautschicht und die Talgdrüsen und behält seine Wirkung ca. drei Monate lang.

Chitinsynthesehemmer

Diese Wirkstoffe stören die Synthese von Chitin, aus dem die Außenhülle des Flohs besteht. Ein Wirkstoff dieser Gruppe ist Lufenuron, dass zum Beispiel in dem Mittel „Program“ enthalten ist. „Program“ wurde vor allem unter dem Schlagwort „Flohimpfung“ bekannt, da dieses Mittel vorbeugend unter die Haut gespritzt werden kann und daher von der Verabreichung her an eine Impfung erinnert. „Program“ wird auch eine vorbeugende Wirkung gegen Pilzbefall nachgesagt, für den ich aber keinen wissenschaftlichen Beleg finden konnte. Ursprung hat die Annahme vielleicht darin, dass die meisten Pilze aus Chitin aufgebaute Zellwände haben.Wirkstoffe im Überblick

Wirkstoffe im Überblick

Wirkstoff Wirkweise
Pyrethroide Durch eine Blockade der Natriumkanäle an der Axonplasmamembran ist die Repolarisation gestört. Dadurch kommt es zur Dauerdepolarisation und schließlich zu Krämpfen und Lähmung. Vergiftungserscheinungen bei Säugern treten selten auf, überwiegend bei Dauerbelastung oder sehr hohen Dosierungen
  • Permethrin, Cypermethrin, Deltamethrin, Fenvalerat, Flumethrin
Alkylphosphate Alkylphosphate und Acetylcholinesterase gehen eine zunächst reversible Bindung ein, die nach mehreren Stunden irreversibel wird. Darum kann der Neurotransmitter Acetylcholin nicht mehr abgebaut werden und es kommt zu einer Acetylcholinvergiftung der Parasiten. Vergiftungserscheinungen treten beim Säugern durch die rasche Resorption zumeist schon nach wenigen Stunden auf. CAVE: Katzen unter einem Jahr reagieren empfindlich! Vorsicht auch bei anderen Jungtieren.
  • Diazinon, Dichlorvos, Phoxim
  • Cythioat, Dimpylat, Fenthion
Carbamate Carbamate bilden mit Acetylcholinesterase eine reversible Bindung, wodurch das Enzym einige Minuten gehemmt wird. Es kommt zur Anhäufung von Acetylcholin und somit zur Acetylcholinvergiftung der Flöhe. Vergiftungserscheinungen treten bei Säugern durch die rasche Resorption zumeist schon nach wenigen Stunden auf.
  • Carbaryl
  • Propoxur
Nitroguanidine Imidacloprid bindet irreversibel speziell an die postsynaptischen Nikotinrezeptoren von Insekten und unterbricht so die Reizleitung.
  • Imidacloprid
Makrozyklische Laktone Die präsynaptische Freisetzung des inhibitorischen Neurotransmitters g-Aminobuttersäure (GABA) und die verstärkte Bindung an die postsynaptische Membran werden stimuliert. Zusätzlich wird die Übertragung an Motoneuronen gehemmt, so dass es zur Lähmung kommt. Da GABA beim Wirbeltier nur als Neurotransmitter im ZNS vorkommt, sind Vergiftungen beim Säuger nur möglich, wenn es zu einer Penetration der Makrozyklischen Laktone ins ZNS gekommen ist. Normalerweise können diese aber die Blut-Hirnschranke nur schwer überbrücken. Ivermectin->CAVE bei Bobtail, Collie und deren Mischlingen sowie Australischen Schäfern, Shetland Sheepdogs und verwandten Rassen! Ivermectin, Doramectin, Moxidectin sind in Deutschland nicht für Kleintiere zugelassen. Selamectin ist nur zur Applikation auf die Hautoberfläche bestimmt. Nicht oral und nicht parenteral verabreichen! -Selamectin ist bei Hunden und Katzen erst ab dem Alter von 6 Wochen oder älter angezeigt.
  • Ivermectin, Doramectin, Moxidectin, Selamectin
Phenylpyrazole Dieser Antagonist der GABA-Rezeptoren führt zu einer Blockade der g-Aminobuttersäure gesteuerten Chloridkanäle, indem er den Chlorideinstrom hemmt. Es kommt dadurch zu Hyperexzitation und schließlich zum Tod der Parasiten.
  • Fipronil
IGR – Insect Growth Regulators: JHA – Juvenilhormonanaloga
S-Methopren Das Juvenilhormonanalogon verhindert die Larvenentwicklung und Verpuppung der Flöhe.
Pyriproxyfen Bei Kontakt mit geringen Mengen dieses Juvenilhormonanalogons wird der Schlupf der Larven aus den Eiern, die Häutung der Larven und die Kokonbildung verhindert. Erwachsene Flöhe legen nach Kontakt mit Pyriproxyfen entwicklungsunfähige Eier.
Fenoxycarb Fenoxycarb bindet sich an Juvenilhormon-Rezeptoren, kann aber von der Juvenilhormonesterase der Larven nicht abgebaut werden.
CSI – Chitinsyntheseinhibitoren
Lufenuron/Fluphenacur Dieser Chitinsyntheseinhibitor wirkt systemisch und muss unbedingt mit einer Mahlzeit verabreicht werden, um die Wirkdauer von 30 Tagen zu erreichen. Die Polymerisation der Chitinmonomere wird verhindert.
Triflumuron Die Bildung des Enzyms Chitinsynthetase wird verhindert, wodurch die Bildung von Chitin so beeinflusst wird, dass die Larve bei der Häutung das alte Exoskelett nicht verlassen kann und abstirbt.

Quelle: Bayervital

Bildnachweis

Das Bild „Catflea small“ wurde von Evanherk auf Wikipedia unter GNU Free Documnetation License zur Verfügung gestellt.

Über den Autor

Kathrin

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