Fundstücke

Zweitwohnsitz für eine Katze?

Und auch ganz offensichtlich herrenlos, denn würde Mieze sich sonst so bereitwillig anfassen lassen und Schnurren, als hatte sie seit Wochen keine Streicheleinheiten bekommen?

Aber davon sollte man sich nicht täuschen lassen, denn Katzen können für uns oft hervorragende Schauspieler sein. Und neben den zahllosen Katzen, die jedes Jahr tatsächlich ausgesetzt werden und ein neues Heim suchen, verschwinden immer wieder Freigänger, die ein gutes Zuhause hatte, weil Menschen sie für herrenlos hielten.

Selbstverständlich fragt man sich da natürlich, warum Katzen so etwas tun. Warum suchen sie sich einen neuen Dosenöffner, wenn sie es zu Hause doch gut haben?

Genau im Dosenöffnen liegt auch die Erklärung für dieses Verhalten. Katzen sind von Natur aus Tiere, die darauf eingestellt sind, Mangel zu verwalten. Sie fressen extrem hochwertige Proteine, um nicht unnötig viel jagen zu müssen, sie leben bei Nahrungsmangel einzelgängerisch, um Rangkämpfen aus dem Weg zu gehen und sie schlafen viel, um nicht unnötig Energie zu verbrauchen (manchmal 18 Stunden und mehr – bei meiner Izi habe ich das Gefühl, sie schläft 23 Stunden am Tag!). Für ein Tier, dass seinen Ursprung in der Wüste hat, ist so ein Verhalten selbstverständlich.

Da eine Katze darauf programmiert ist, jederzeit damit zu rechnen, dass eine Notsituation eintritt, muss sie natürlich dafür sorgen, sich möglichst viele Nahrungsquellen zu sichern. Das ist ein Verhalten, was ganz tief in unseren Katzen programmiert ist und das nicht bewußt abläuft. Die Katze entscheidet nicht etwa „Oh, mein Mensch könnte ja morgen nicht mehr nach Hause kommen, suche ich mir sicherheitshalber schon mal einen Ersatzmenschen, bei dem ich einziehen kann“. Nein, als Freigänger geht sie auf Wanderschaft und erkundet, wo es in ihrem Revier weitere Nahrungsquellen geben könnte. Für eine zahme Hauskatze ist nicht nur eine alte Scheune, in der es vor Mäusen nur so wimmelt, eine potentielle Nahrungsquelle, sondern auch der freundliche Nachbar, der in der Lage ist, eine Dose zu öffnen.

Die Katze signalisiert mit ihrem für uns schmeichelnd erscheinendem Verhalten nicht etwa, dass sie sich zu Hause unwohl fühlt, sondern testet unsere Qualität als Nahrungsquelle aus. Geht „Mensch“ darauf ein, füttert die Katze und läßt sie vielleicht ins Haus, hat Mieze einen Zweitwohnsitz erobert. Nicht selten kommt es vor, dass die Katze dann auch mal mehr Zeit in ihrem „Zweitwohnsitz“ verbringt. Das sind dann die Fälle, wo es in Berichten heißt: „Irgendwann war sie da und nach einigen Wochen ist sie dann bei mir eingezogen.“ Das muss aber nicht heißen, dass die Katze sich jetzt für ein Heim entschieden hat. Es soll Fälle von Katzen gegeben haben, die sich gleich eine ganze Handvoll Besitzer und Futterstellen gesichert haben, ohne dass einer etwas von dem anderen wußte. Mieze wurde dann erst durch Zufall „ertappt“.

In diesen fast schon anekdotischen Fällen handelt es sich natürlich immer um extreme Freigänger, die ohnehin wenig Zeit in ihrem angestammten Zuhause verbracht haben. Den meisten Besitzern wird es schon auffallen, wenn ihre Katze seltener nach Hause kommt. Bei der Suche nach Ursachen sind sie dann aber recht hilflos, denn wie soll man herausfinden, wo der Stubentiger steckt, wenn nicht durch Zufall oder Hinweise aus der Nachbarschaft?

Tragisch wird es, wenn die Katze aufgrund von Veränderungen in ihrem Ursprungsheim beschließt, ihren „Hauptwohnsitz“ für einige Zeit zu verlagern. Während eine Katze, die keine Ausweichmöglichkeiten in Form von alternativen Dosenöffnern und „Zweitwohnungen“ hat, sich mit kleinen Störungen in ihrem gewohnten Umfeld auseinandersetzen muss und dass auch durchaus erfolgreich tut, zieht eine Katze mit „Zweitwohnsitz“ vielleicht lieber um. Die Ursachen dafür können manchmal banal und für den Menschen kaum ersichtlich sein: umgestellt Möbel, ein gewaschenen Kuschelkissen, anderes Futter, eine neue Einstreu, vielleicht ein neues Familienmitglied, andere Arbeits- und damit Futterzeiten. Daher kommen viele Besitzer auch nicht auf den eigentlich Grund für das verschwinden von Mieze, sondern befürchten vielleicht, ihr ehemaliger Mitbewohner läge tot am Straßenrand.

Und der neue „Besitzer“ meldet sich vielleicht auf verzweifelte Aushänge hin gar nicht, weil er denkt, die Katze hätte es zu Hause ohnehin nicht gut gehabt – und macht vielleicht aus dem Freigänger eine Wohnungskatze, damit sie nicht wieder wegläuft.

Mit diesem Artikel möchte ich darauf aufmerksam machen, dass man unbedingt davon absehen sollte, gut ernährte und gepflegt erscheinende Katzen „anzufüttern“ und sogar mit ins Haus zu nehmen. Im Zweifelsfalls sollte man sich zunächst in der Nachbarschaft umhören, wem die Katze gehören könnte.

Ist die Katze sehr aufdringlich und scheint wirklich in Not zu sein, dann sollte man sie ins Haus nehmen und „Katze-zugelaufen“-Aushänge verteilen. Dabei sollte Mieze Stubenarrest bekommen. Die letzte Station muss das Tierheim sein, wo man sich dann – wenn man möchte – ja als Interessent vormerken lassen kann. Unter Umständen kann man den Fund auch beim Tierheim melden und die Katze zu Hause behalten. Wichtig ist nur, dass der Fund eines Tiere gemeldet werden muss, da das Tier ja noch das Eigentum von jemandem ist. Erst nach einer bestimmten Frist ist davon auszugehen, dass der ursprüngliche Besitzer sein Eigentum aufgegeben hat.

Noch ein Wort zum Schluß: Selbstverständlich müssen kranke, verletzte, unterernährte oder deutlich ungepflegt wirkende Tiere möglichst schnell zum Tierarzt oder ins Tierheim gebracht werden.

Über den Autor

Kathrin

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