Gesundheit

Zahnsteinbildung Teil 1 – Was man selbst tun kann

Zahnsteinbildung Teil 1 - Was man selbst tun kann | Katzencontent
Verfasst von Kathrin
Dieser Artikel ist Teil 1 von 2 der Setie Zahnsteinbildung

Dieser Artikel ist Teil der Serie "Zahnsteinbildung"

Einer australischen Studie zufolge leiden 60 % aller Hauskatzen im Alter von über drei Jahren unter Zahnerkrankungen 1. Eine andere Studie berichtet sogar, dass 70 % aller Katzen über zwei Jahre betroffen sind 2. Damit sind Erkrankungen der Mundhöhle die häufigste Erkrankungsform bei Katzen 3. Da die Folgen von starkem Zahnstein dramatisch sein und bis zum vollständigen Verlust der Zähne sowie schwersten chronischen Entzündungen im Mundraum führen können, die die Lebensqualität der Katze deutlich beeinträchtigen, sollte man der Zahnhygiene bei Katzen besondere Beachtung schenken (mehr zu den Folgen unter „Wenn die Zähne Probleme machen„).

Was kann man selbst gegen Zahnstein tun?

Mechanische Reinigung

Zähneputzen

Vielen Katzenbesitzern erscheint die Idee, ihrer Katze die Zähne zu putzen, leider immer noch völlig abwegig. Dabei ist tägliches Zähneputzen die effektivste Form der mechanischen Beseitigung von Zahnbelägen 4. Sicherlich kann man nicht jeder Katze die Zähne putzen. Ich denke da an so manchen halbwilden Freigänger, dem selbst Streicheleinheiten manchmal schon zu viel Nähe sind und an den einen oder anderen Stubentiger, der sich schon beim Bürsten in ein Krallen bewehrte Kratzbürste verwandelt. Bei diesen Herrschaften sollte man es mit dem Zähneputzen am besten gar nicht er versuchen – zum Schutze der eigenen Gesundheit und der Nerven der Katze!

Bei Katzen, die sich leicht festhalten, entspannt streicheln und ohne Probleme bürsten lassen, kann man es mit dem Zähneputzen aber durchaus versuchen. Vor allem junge Tiere kann man meist problemlos daran gewöhnen (Anleitung folgt in einem weiteren Artikel).

Da die Entfernung von Plaque vor allem aufgrund der mechanischen Wirkung der Zahnbürste erfolgt, ist die Anwendung von Zahnpasta nicht unbedingt erforderlich 4, kann aber Fehler bei der Zahnreinigung ausgleichen. Häufig sind der Zahnpasta noch Schleifmittel, Enzyme oder antimikrobiell wirksame Substanzen zugesetzt, die neben der mechanischen Renigung noch eine zusätzliche chemisches Reinigung bewirken. Einige Zahncremes enthalten einen so hohen Schleifmittelanteil, dass sie sogar ohne zusätzliches Bürsten verwendet werden können.

Auf gar keinen Fall darf eine Zahnpasta verwendet werden, die für den Menschen bestimmt sind. Die schäumenden Inhaltsstoffe sind für Tiere meist sehr unangenehme, enthaltene ätherische Öle können unter Umständen für den kleineren Organismus schädlich sein und auch der Fluoridgehalt ist in vielen Zahncremes aus dem Humanbereich zu hoch für Katzen, so dass es zu Vergiftungen kommen kann.

Kauartikel

Während es für Hunde einen fast unüberschauberen markt an Kauartikeln jeder Größe, Form und Konsistenz gibt, sind Kauarttikel für Katzen eher schwer zu bekommen. Viele als Kauartikel angepriesene Katzensnacks haben einen nur unzureichenden mechanischen Reinungseffekt. Ausgesprochene Zahnreinungs-Kauartikel für Katzen bekommt man fast nur beim Tierarzt oder in entsprechenden Online-Shops (z.B. Albrecht Denticur Kaurolls, Bayer BayoPet Kauröllchen, Virbac C.E.T. Kauröllchen). In verschiedenen Studien konnte gezeigt werden, dass bei Verwendung solcher Kauartikel die Bildung von Zahnstein gehemmt wird 5 6, obwohl der Effekt nicht so stark war wie der einer mechanischen Reinigung mit der Zahnbürste 4.

Auch wenn die große Vielfalt von Kauartikel für Hunde für Katzenbesitzer verführerisch erscheinen mag, sollte man mit der Verwendung bei Katzen sehr vorsichtig sein. Einige der Prdoukte für Hunde sind zu hart und zu groß für die Zähne der Katze, so dass die Gefahr besteht, das Zähne brechen. Während das Gebiss des Hundes darauf ausgelegt ist, auch Knochen größerer Tiere aufzubrechen, ist das Katzengebiß eher für mausartige Beute gemacht, in die die Zähne relativ leicht eindringen können. Optimal sind also Kauartikel, die so groß sind, dass sie nicht unzerkaut heruntergeschluckt werden können und die dem Druck der Zähne nachgeben. Die mechanische Reinigung des Gebisses kommt dadurch zustande, dass Zahnbeläge durch wiederholtes Eindringen der Zähne in den Kauartikel bzw. die Beute beim Zerbeißen angestreift werden. Im Gegensatz zum menschlichen Gebiß ist das Gebiß der Katze nämlich auf Beißen und Zerreißen ausgerichtet und nicht auf das Kauen.

Neben industriell gefertigten Kauartikeln können andere Nahrungsmittel eingesetzt werden, die zerbissen werden müssen und die keinen zu großen Wiederstand bieten. Optimal sind feste Fleischstücke wie z.B. Rindergulasch (auf gar keinen Fall dard rohes Schwein verwendet werden!). Wer sich dazu überwinden kann, kann seiner Katze ab und zu auch Eintagsküken oder Mäuse anbieten, die man gefroren z.B. über den Fachhandel für Reptilien (z.B. ms-reptilien) oder spezialisierte Futterversender (z.B. Hund & Sport Futtermarkt) beziehen kann. Auch wenn die Vorstellung für viele Menschen zunächst unangenehm ist, entspricht dies dem natürlichen Ernährungsmuster der Katze ziemlich gut.

Auf keinen Fall sollte man Knochen als Kauartikel verwenden, da diese zu hart und zu spröde sind für ein Katzengebiss und Zahnbrüche oder Verletzungen verursachen können.

Futter

Textur

Die Untersuchungen zur Wirkung von Kauartikeln auf die Bildung von Zahnbelegen und Zahnstein führen folgerichtig zu der Frage, ob man nicht gleich ein Alleinfutter für Katzen verwenden kann, das die mechanische Reinung der Zähne übernimmt. Dementsprechend bieten inzwischen fast alle Hersteller ein Trockenfutter mit dem Versprechen an, es würde Zahnstein vermindern. Meist tragen diese Futtermittel Namenszusätze wie „oral“, „denti“ oder „dental“ und rühmen sich, die Zahnsteinbildung im Vergleich zu anderen Futtermitteln erheblich senken zu können.

Diese Wirkung wird durch zahlreiche Studien belegt 7 8, wobei man kritisch hinterfragen sollte, von wem derartige Studien finanziert werden. Ist der Auftraggeber ein Futtermittelhersteller, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Ergebnisse enstprechend interpretiert und eine zahnreinigende Wirkung gefunden wird.

Die zahnreinigende Wirkung von speziellem Trockenfutter basiert in der Regel darauf, dass das Futter über eine spezielle Textur und Form verfügt. Die sogenannten „Kibbles„, die einzelnen Trockenfutterbröckchen, sind so groß und derart geformt, dass die Katze sie vor dem Herunterschlucken zerbeißen muss. Dabei sollen faserige Inhaltsstoffe die Oberfläche der Zähne reinigen. Viele Trockenfutterkibbles sind allerdings so spröde, dass sie bereits beim Daraufbeißen zerbrechen oder so klein, dass die Katze sie unzerbissen verschlucken kann.

Auch wenn bei der Fütterung von Trockenfutter nur die Zahnoberflächen gereinigt werden, die sich an den Futterbrocken reiben, ist die reinigende Wirkung immer noch höher als bei ausschließlicher Naßfuttergabe 9. Diese Wirkung kann neben dem mechanischen Effekt auch auf dem erhöhten Speichelfluß beim Kauen von Trockenfutter zurückzuführen sein, da Speichel Enzyme und antimikrobielle Substanzen enthält.

Festhalten läßt sich wohl, dass Feuchtfutter die geringste, herkömmliches Trockenfutter eine etwas stärkere und Spezialfutter die höchste zahnreinigende Wirkung unter den Alleinfuttermitteln hat, diese aber aufgrund der besonderen Eigenschaften des Katzengebisses (Ausrichtung auf Beißen und Reißen, nicht auf Kauen) hinter Kauartikeln und vor allem der Reinigung mit einer Zahnbürste zurück bleibt.

Inhaltsstoffe

Neben Form und Textur können Diätfuttermittel spezielle Zusatzstoffe enthalten, die die zahnreinigende Wirkung unterstützen. Teilweise werden auf das Futter Mikrokristalle aus Polyphosphaten aufgebracht, die Plaque abreiben. Zusätzlich können anitbakterielle oder entzündungshemmende Stoffe enthalten sein oder Zusätze, die das Immunsystem unterstützen 10.

Chemische Produkte

Chlorhexidin

Chlorhexidin ist ein auch in der humanen Zahnmedizin verbreiteter Wirkstoff, der auch in vielen Mundspülungen enthalten ist (z.B. Chlorhexamed). Chlorhexidin stoppt die Entwicklung von Bakterien und töted diese in höherer Konzentration ab. Darüber hinaus wirkt es gegen Pilzinfektionen und hat eine schwache Wirkung gegen einige Viren. Chlorhexidin haftet gut an der Mundschleimhaut und wird nicht vom Körper aufgenommen. Einzige Nebenwirkung ist die Bildung eines bräunlichen Belages auf den Zähnen, der aber leicht wieder entfernt werden kann. Außerdem wird der bittere Geschmack des Chlorhexidin von Katzen nur schwer toleriert.

Da man einer Katze schlecht eine Mundspülung mit einem Mundwasser verpassen kann, gibt es spzezielle chlorhexidinhaltige Präparate für Tiere. Dabei handelt es sich um spezielle Zahncremes (z.B. Virbac Parodongyl Zahnpasta) oder Pasten, die auf das Zahnfleisch aufgetragen werden (z.B. Dentisept).

Enzyme

Glucose-Oxidase/Lactoperoxidase

In Speichel von Hunden und Menschen sind Enzyme des sogenannten Glucose-Oxidase/Lactoperoxidase-Komplexes enthalten, die einen natürlichen Abwehrmechanismus gegen Keime bilden. bei Katzen konnte dieser Enyzmkomplex bisher nicht nachgewiesen werden. Auch der Effekt auf die Bildung von Zahnbelägen ist nicht gesichert 11. Enzymhaltige Produkte sind meist in Form von Zahnpasta erhältlich (z.B. Albrecht Denticur Zahnpasta).

Lysozyme

Lysozyme sind in Speichel enthalten. Sie töten Bakterien ab, indem sie ihre Zellwände auflösen.

Lactoferrin

Laktoferrin ist ein baktierien- und pilztötendes Glycoprotein, das unter anderem auch im Speichel enthalten ist. Bereits 1977 konnte nachgewiesen werden, dass Lactoferrin einen der kariesverursachende Keime in der Mundhöhle des Menschen abtötet 12. Auch bei Katzen konnte in einigen Studien bereits ein positiver Effekt nachgewiesen werden 13.

Zink

Zink wirkt ebenso wie Chlorhexidin antimikrobiell, ist aber aber geschmacksneutral. Zudem fördert Zink die Wundheilung. Nachteil ist, dass es beim Einsatz von zinkhaltigen Pasten zu starker Speichelbildung kommen kann.

Vitamin C /Ascorbinsäure

Ascorbinsäure spielt eine wichtige Rolle beim Aufbau des Zahnschmelzes. Fehlt Ascorbinsäure, kommt es zu schweren Mangelerscheinungen, die sich unter anderem auch an den Zähnen, dem Zahnfleisch und am Zahnhalteapparat in Form von Ödemen, Degenerationen, Blutungen und Lockerungen der Zähne bemerkbar machen. Studien zeigen, dass die Symptome des Vitamin-C-Mangels bei Einnahme von Vitamin C zurückgehen. Darüber hinaus senkt Vitamin C die Blutungsneigung von entzündetem Zahnfleisch und wirkt antibakteriell. Nachteil bei der Gabe von Vitamin C ist, dass freie Ascorbinsäuere aufgrund des starken ph-senkenden Effektes den Zahnschmelz angreift.

Literatur

Hauptquellen

Katrin Elsbett (2004). Untersuchungen zum Einfluss von Vitamin C und Epigallocatechin Gallat in Kombination mit Lactoferrin auf die Zahngesundheit bei der Katze. Inaugural-Dissertation zur Erlangung der tiermedizinischen Doktorwürde der Tierärztlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München. Online unter http://edoc.ub.uni-muenchen.de/2786/1/Elsbett_Katrin.pdf

Sonja Gorissen (2004). Der Einsatz von Lactoferrin und Epigallocatechingallat in der Prophylaxe parodontaler Erkrankungen der Katze. Inaugural-Dissertation zur Erlangung der tiermedizinischen Doktorwürde der Tierärztlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München. Online unter http://edoc.ub.uni-muenchen.de/2596/1/Gorissen_Sonja.pdf

Weitere Literaturangaben

  1. Clarke, D. E. und A. Cameron (1998). Relationship between diet, dental calculus and periodontal disease in domestic and feral cats in Australia. Aust Vet J 76(10): 690-693.
  2. Johnston N. (1998). Acquired feline oral cavity disease. In Pract 4: 171-179.
  3. Dr. Markus Eickhoff. Hat meine Katze Zahnschmerzen? Online-PDF.
  4. Gorrel C. (2000). Home Care: Products and Techniques. Clin Tech Small Anim Pract 15: 226-231.
  5. Gorrel C., Inskeep G., Inskeep T. (1998). Benefits of a `Dental Hygiene Chew`on the Periodontal Health of Cats. J Vet Dent 15: 135-138.
  6. Ingham K. E., Gorrel C., Bierer T. L. (2002). Effect of a Dental Chew on Dental Substrates and Gingivitis in Cats. J Vet Dent 19: 201-204.
  7. Logan E. I., Hefferen J. J. (1996). Zahn- und Mundhygiene durch Fütterungsmaßnahmen: Untersuchungsmethodik und Ergebnisse bei der Katze. Zahnhygiene bei Hund und Katze, Hill`s Pet Nutrition Inc.: 37-41.
  8. Logan E. I., Boyce E.N., Berg M., Coffman L., Hefferen J.J. (1997). Effects of dietary form on plaque and calculus accumulation and gingival health in cats, methodology and results. 5th World Veterinary Dental Congress, Birmingham, England, 1997.
  9. Watson, A. D. J. (1994). Diet and periodontal disease in dogs and cats. Australian Veterinary Journal 7: 313-318.
  10. Gorrel C. (2001). The Effects of Diet on Periodontal Disease. 26th WSAVA World Congress, Vancouver, British Columbia, Canada (2001).
  11. Tenovuo J., Lumikari M., Soukka T. (1991). Salivary lysozyme, lactoferrin and peroxidase: antibacterial effects on cariogenic bacteria and clinical applications in preventive dentistry. Proc Finn Dent Soc 87: 197-208.
  12. Arnold, R. R., M. F. Cole und e. al (1977). A bactericidal effect for human lactoferrin. Science 197(4300): 263-265.
  13. Sato R., Inanami O., Tanaka Y., Takase M., Naito Y. (1996). Oral administration of bovine lactoferrin for treatment of intractable stomatitis in feline immunodeficiency virus (FIV)-positive and FIV-negative cats. Am J Vet Res 57: 1443-1446.

Das Bild „…roaaarr!!“ wurde von xamad bei Flickr unter Creative Commons Lizenz veröffentlicht.

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Über den Autor

Kathrin

2 Kommentare

  • Zur Zahnreinigung gibts hier Fleischstücke, die alle gern annehmen. Gerade an größeren Stücken kauen sie minutenlang herum.
    Trockenfutter gibt es nicht, wegen der Gefahr von Nierenschädigungen. Zwei meiner Katzen sind ausgesprochene Trinkmuffel und würden, wenn sie Trockenfutter bekämen, nie im Leben auf ihre Soll an Wasser kommen.

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