Pflege

Urlaubszeit – Katzenzeit?



Tierbetreuer_werden_10Die Ferienzeit naht und damit stellt sich vielen Tierbesitzern wieder die Frage, was sie mit ihrem Liebling tun können, wenn sie selbst auf Reisen gehen. Jedes Jahr entscheiden sich immer noch die Besitzer von fast 70.000 Tieren in dieser Situation dazu, ihren Hausgenossen einfach auszusetzen (Quelle: Deutscher Tierschutzbund). Eine erschreckende Zahl und keinesfalls eine Lösung – vor allem nicht für Menschen, die ihren vierbeinigen Freund wähend ihres Urlaubs in gutem Händen wissen wollen.

Glücklicherweise gibt es auch andere Möglichkeiten. Die meisten Tierbesitzer haben bereits bewährte Methoden, die Urlaubsbetreuung ihrer Schützlinge zu organisieren und Nachbarn oder Familienmitglieder eingspannt. Aber was tun, wenn das mal nicht klappt?

Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten, den Stubentiger während der Urlaubszeit unterzubringen:

  • Mieze bleibt zu Hause und wird dort von jemandem versorgt
  • Mieze zieht während des Urlaubs um
  • oder Mieze geht mit auf Reisen!

Bei Katzen ist wohl die erste Variante die üblichste:

Versorgung zu Hause

…durch Nachbarn, Freunde, Bekannte oder Familie

Sicherlich ist dies auch eine sehr bequeme Variante – sowohl für den Besitzer als auch für die Katze. Die Betreuer kennen sich wahrscheinlich in der Wohnung schon etwas aus und kennen auch die Katze(n). Notwendige Kuscheleinheiten sind meist selbstverständlich und auch wenn mit dem Tier etwas nicht stimmt, merken Freunde oder Familienmitglieder das realtiv schnell. Unter Umständen kann jemand aus diesem Kreis auch mal etwas länger in der Wohnung bleiben (zum Beispiel für einen Fernsehabend) oder sogar übernachten. Allerdings gibt es auch eine Kehrseite. Gerade Nachbarn, Freunde, Bekannte oder Familienmitglieder lassen sich für ihre „Dienste“ manchmal nicht gerne entlohnen, so dass unter Umständen der unangenehme Beigeschmack bleibt, dem anderen etwas schuldig zu sein. Kleine Geschenke aus dem Urlaub, eine Einladung zum Essen oder Hilfe auf Gegenseitigkeit bieten sich hier in jedem Fall an.

…durch einen Tiersitter

Tiersitter findet man entweder auf individueller Basis über Annoncen in Kleinanzeigen-Märkten (auch Online!), Aushängen an schwarzen Brettern (z.B. im Supermarkt), Mund-zu-Mund-Propaganda, entsprechende Portale oder Tiersitter-Börsen im Internet oder professionelle Tiersitteragenturen. Ein Tiersitter je nach Vereinbarung auch andere Dienste übernehmen wie zum Beispiel Blumengießen oder Briefkasten leeren. Die Angebote von Agenturen reichen hier bis zum kompletten House-Sitting-Service, wobei eine Person für die Zeit der Abwensenheit im Haus einzieht und alle anfallenden Arbeiten erledigt. Problematisch ist der Einsatz eines Tiersitters dann, wenn keine Referenzen vorliegen. Immerhin läßt man eine fremde Person ins Haus und vertraut dieser seinen Hausgenossen an. Auf jeden Fall sollte es bei individueller Auswahl eines Tiersitters ein entsprechendes Vorgespräch geben, um sich einen Eindruck vom Bewerber machen zu können. Im Notfall sollte man gerade dann, wenn man einen Tiersitter zum erstn Mal bucht, einen Nachbarn, Bekannten oder ein Familienmitglied informieren, dass die Versorgung des Tieres einmal kontrolliert und unter Umständen einspringt, wenn alle Stricken reißen.

Links zu Tiersitterbörsen:

Agenturen

Kleinanzeigen

(Liste wird ständig erweitert)

…nimmst Du mein Tier nehm ich dein Tier

Hierbei handelt es sich um eine Initiative des Deutschen Tierschutzbundes. Die örtlichen Vereine bringen bei dieser Aktion Tierhalter zusammen, die sich während des Urlaubs im Wechsel um die vierbeinigen Lieblinge kümmern. Ab dem 2. Mai können sich Tierbesitzer und Tierfreunde am Urlaubs-Beratungstelefon des Deutschen Tierschutzbundes unter der Telefon-Nummer: 0228-6049627 von Montag bis Donnerstag zwischen 10.00 und 18.00 Uhr und am Freitag von 10.00 bis 16.00 Uhr melden. Weitere Informationen gibt es in einer Pressemeldung des Deutschen Tierschutzbundes von April 2008.

Versorgung außer Haus

… bei Nachbarn, Freunden, Bekannten oder Familie

Hier gilt das Gleiche wie dann, wenn Nachbarn, Freunde, Bekannte oder Familienmitglieder die Katze in ihrer gewohtnen Umgebung versorgen: Meist ist diese Variante für Besitzer und Tier die angenehmste, da man den Betreuer schon kennt. Vorsicht ist nur geboten, wenn es im Zuhause auf Zeit andere Haustiere gibt, denn dies kann Streß bedeuten. Im besten Fall steht für die Katze auf Urlaub ein Extra-Zimmer zur Verfügung, so dass sie sich gar nicht an neue Mitbewohner auf Zeit gewöhnen muss. Manche Katzen reagieren empfindlich auf radikale Ortswechsel und fangen in seltenen Fällen an, ihre Unsicherheit durch Unsauberkeit oder Kratzen an Möbeln oder Tapeten auszudrücken. Wenn es irgendwie möglich ist, sollte der Betreuer die Katze dann lieber wieder in ihr angestammtes Zuhause bringen und sie ein oder zweimal am Tag versorgen. Unter Umständen leidet das Tier dann unter der Einsamkeit weniger als unter der fremden Umgebung. Ist dies nicht möglich, bleibt im schlimmsten Fall nur noch die Umquartierung ins Badezimmer oder einen entsprechend unempfindlichen Raum. In diesem Fall muss aber unbedingt dafür gesorgt sein, dass die Katze so viel Zuwendung wie möglich bekommt und unter Aufsicht viel Zeit mit ihrem Urlaubsbetreuer verbringt, um die Situation nicht noch schlimmer zu machen als sie ohnehin schon ist. Gibt es im Urlaubszuhause auch Katzen, muss unbedingt sichergestellt sein, dass keine Krankheiten übertragen werden können. Wie in einer guten Tierpension sollten ein noch wirksamer Impfschutz und regelmäßige Entwurmung der Tiere selbstveständlich sein. Ungesicherter Freigang ist auf jeden Fall am Urlaubsort tabu!

…in einer Tierpension

Tierpensionen bieten heute nicht nur Betreuung für Hunde, sondern meist auch für Katzen und sogar Kleintiere an. Die Preise variieren und auch bei der Qualität der Unterbringung und Betreung gibt es Unterschiede. Nicht jede Einrichtung, die sich „Tierpension“ nennt, verdient auch den Namen. Daher sollte man sich eine Pension unbedingt vorher gut anschauen und dabei nicht nur auf Ausstattung und Äußerlichkeiten schauen. Bei der Unterbringung von Katzen in einer Pension muss man darauf achten, dass ein wirksamer Impfschutz, Entwurmung und Flohfreiheit Aufnahmevoraussetzung für alle Gäste ist. Selbstverständlich muss man auch sein eigenes Tier rechtzeitig entsprechend behandeln lassen. Hygiene ist bei großen, häufig wechselnden Tierbeständen das A und O, denn nirgendwo sonst können sich Krankheiten besser ausbreiten. Der Leiter einer Tierpension benötigt einen entsprechenden Sachkundenachweis, der beim Veterinäramt erbracht werden muss. Liegt dieser Nachweis nicht vor, sollte man die Pension umgehend von der Urlaubsliste für Mieze streichen.

Links zu Verzeichnissen mit Pensionen:

Katzenpensionen beim Infoportal Haustiere

…im Tierheim?

Einige Tierheime sollen angeblich auch Urlaubsbetreuung für Haustiere anbieten. Handelt es sich dabei um einen Tiersitterservice, der ins Haus kommt, ist dagegen überhaupt nichts einzuwenden. Allerdings würde ich dringend davon abraten, ein Haustier während des Urlaubs im Tierheim unterzubringen, auch wenn es „nur“ zur Pflege ist. Zunächst sind Tierheime in der Urlaubszeit mehr als ausgelastet und sollte nicht noch mit Urlaubsgästen weiter gefüllt werden. Die Mitarbeiter haben bereits genug mit der Versorgung von Notfällen und Vermittlungstieren zu tun. Zudem gilt für ein Tierheim das Gleiche wie für die Tierpension: große, ständig wechselnde Tierbestände bieten optimale Bedingungen für die Ausbreitung von Krankheiten. Aber anders als in einer Tierpension kommen im Tierheim häufiger kranke Tiere an – die Gefahr einer Ansteckung ist also ungleich höher. Zudem sollte man sich sehr gut überlegen, ob man seinem Haustier den Stress eines Tierheimaufenthaltes mit seiner doch etwas „anderen Atmosphäre“ zumuten möchte. Denn das Tier weiß nicht, dass Sie es wieder zurückholen.

…einfach laufen lassen?

Ein Kollege, der völlig katzenunerfahren war, fragte mich in der Kantine einmal, was man denn mit einer Katze macht, wenn man in den Urlaub fährt. Sein etwas naiver Vorschlag: Warum läßt man das Tierchen nicht einfach so lange draussen rumlaufen? Bei einem Freigänger sollte das ja wohl kein Problem sein!

Ich beschäftige mich schon zu lange mit diesen Themen, um nicht zu wissen, dass es Leute gibt, die das tatsächlich so handhaben. Dieses Vorgehen ist aber in jedem Fall völlig indiskutabel. Selbst bei einem reinen Freigänger, der nur äußerst selten ins Haus kommt, muss regelmäßig jemand kontrollieren, ob es dem Tier gut geht und es mit Futter versorgen.

Mieze geht auf Reisen!

Was bei Hunden normal ist, ist bei Katzen eher ungewöhnlich: Das Tier mit auf Reisen zu nehmen. Unter Umständen ist aber auch diese Variante eine Überlegung wert. Fälle, in denen Katzen ihre Besitzer rund um den Globus begleitet haben, sind zwar echte Ausnahmen und auch nur etwas für besondere Individualisten mit entsprechendem Nervenkostüm. Aber auch hier gibt es Fälle, in denen die Bindung zwischen Katze und Besitzer so stark ist, dass bei längeren Auslandsaufenthalten die mit der Reise verbundenen Strapazen gerechtfertigt sind. Denn eine Reise muss ja nicht immer eine Urlaubsreise sein. In unserer mobilen, globalisierten Welt verlangt auch manchmal der Job längere Auslandsaufenthalte, auf denen einen das Haustier unter Umständen begleiten kann.

In der Regel werden aber die Reisen, für die Mieze als Begleiter in Frage kommt, eher die kürzeren Touren vor allem mit dem Auto sein, selbst wenn man auch in der Bahn und im Flugzeug Katzen in entsprechenden Reisekörben mitnehmen kann (unbedingt nach Bedingungen für Außenmaße erkundigen!). Die Länge der möglichen Fahrtstrecke mit dem Auto richtet sich vor allem danach, wie die Katze Autofahrten verträgt. Während zum Beispiel für meine Norwegische Waldkatze Tass schon der kurze Weg zum Tierarzt fast zu weit war, liegt meine Devon Rex-Oma Izi auch noch nach sechs Stunden Autofahrt wohlig zusammengerollt auf dem Schoss des Beifahrers. Selbstverständlich muss ich an dieser Stelle sagen: Katzen müssen natürlich entsprechend gesichert in angeschnallten Transportboxen oder mit einem Autofahrgeschirr befördert werden. Izi ist da nicht sehr beispielhaft…

Wofür Izi allerdings ein gutes Beispiel ist, ist dass Katzen durchaus einen Urlaub „genießen“ können. Wenn wir aus der Eifel zu meinen Eltern an die Ostsee fahren, ist unsere Izi oft dabei, während die anderen Katzen zu Hause betreut werden. Izi hat überhaupt keine Probleme mit Autofahrten und genießt die extra langen Streicheleinheiten, die sie unterwegs bekommt. Wenn wir Rast machen, nehmen wir Izi sogar mit. Das Haus meiner Eltern kennt Izi schon gut und kommt auch mit den Katzen, die dort leben, hervorragend zurecht (da sie sie die meiste Zeit einfach ignoriert). Bei gutem Wetter liegt Izi gerne auf der gesicherten Terasse im Sonnenstuhl und spielt die Luxus-Urlauberin. So lange sie nachts zwischen „ihren“ Menschen schlafen kann, ist die Welt für sie in Ordnung.

Einige Punkte sollten aber bei der Reise mit dem Stubentiger unbedingt beachtet werden:

  • Wenn es ins Ausland geht, müssen eventuelle Einreisebestimmungen (Impfungen, Impfpass, Ausweis etc.) beachtet werden.
  • Ist ein Aufenthalt in einem Hotel oder einer Ferienwohnung geplant, muss natürlich sichergestellt sein, dass Katzen dort überhaupt
    erlaubt sind.
  • Bei Reisen mit Bus, Bahn oder Flugzeug muss vorher geklärt werden, sie die Katze transportiert werden sollte. Insbesondere für Flugreisen gibt es bestimmte Vorschriften für Transportboxen, die unbedingt eingehalten werden müssen. Informationen gibt die Fluggesellschaft.
  • Für unterwegs sollte Futter, Wasser und eine kleine Notfalltoilette dabei sein. Auch wenn die Katze dies in der Regel nicht braucht, hilft es doch zumindest dem Besitzer, die Reise entspannter zu überstehen, wenn er sich keine Sorgen darum machen muss.
  • Und in jedem Fall gilt: kein ungesicherter Freigang am Urlaubsort!

Das Bild „Palmero sube a la palma“ wurde von Marianne Perdomo bei Flickr unter Creative Commons Lizenz zur Verfügung gestellt.

Über den Autor

Kathrin

4 Kommentare

  • In letzter Zeit musste ich notgedrungen mehrmals mit meinen beiden Katzen auf Reisen gehen, weil es Krankheits- oder Todesfälle in der Verwandtschaft gab und ich auf die Schnelle niemanden gefunden habe, der auf sie aufpasst. Wir waren 8 Stunden mit dem Zug unterwegs, und abgesehen von ein paar Anfangsschwierigkeiten auf dem Weg zu Bahnhof, als die beiden fast ununterbrochen maunzten, ging das ganze relativ glatt. Die meiste Zeit waren wir allein in Abteil, ich habe die Katzen aus ihren Boxen herausgelassen, und sie haben es sich gemütlich gemacht, die kleine auf meinem Schoß und der große auf der Kofferablagefläche, von wo er alles unter Kontrolle hatte.

  • Also wir haben im Keller eine Katzenluke, wo unsere Mieze rein und raus kann. Außerdem haben wir unserem Nachbarn den Schlüssel gegeben, damit er ab und zu etwas Futter hinstellen kann, und mal nach dem rechten sieht. Das hat bisher eigentlich immer ganz gut geklappt. Vorteilhaft ist natürlich, dass wir eher in einer ländlichen Gegend wohnen, und unsere Katze keine Stubenkatze ist. Die schläft nur Nachts im Haus, bzw. am Tag wenn sie lust hat. Aber sonst ist sie eigentlich immer unterwegs und spatziert durch die Welt…

  • Catsitting im Tauschprinzip (also auf kostenloser Basis!) wird auch über den Freundeskreis Katze und Mensch e.V. angeboten. Wenn man Mitglied wird, bekommt man eine Liste von Mitglieder, die in der Nähe wohnen und kann sich mit diesen in Verbindung setzen. Unter http://www.katzenfreunde.de gibt es mehr Informationen.

  • Ich habe das Glück meine Katze in der zeit zu verwandten geben zu können, da weiss ich das es hier auch gut geht und kann ruhigen Gewissens in den Urlaub fahren.
    Wenn ich diese Möglichkeit nicht hätte, wüsste ich aber auch nicht wo sie am besten unter kommen sollte. Mit auf Reisen nehmen, wäre meinem Sensibelchen wohl viel zu stressig.

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