Verhalten

Aus eins mach zwei – wenn die Katzengruppe wächst

Aus eins mach zwei - wenn die Katzengruppe wächst | Katzencontent
Verfasst von Kathrin

Lange galten Katzen als bedingungslose Einzelgänger. Glücklicherweise hat es sich inzwischen herumgesprochen, dass dieses alte Vorurteil falsch ist. Auch wenn nicht unbedingt alle Katzen die Gesellschaft von Artgenossen besonders schätzen, sind Katzen soziale Tiere, die den Kontakt mit Ihresgleichen schätzen und sogar Freundschaften untereinander schließen können (siehe auch „Katzenhaltung: Alleine, zu zweit oder in der Gruppe?„). Optimalerweise berücksichtigt man dieses Bedürfnis bereits bei der Anschaffung und wählt Wurfgeschwister oder bereits befreundete Tiere als zukünftige Mitbewohner aus. Es gibt aber zahlreiche Situationen, in denen es erforderlich ist, eine neue Katze in eine bestehende Gruppe zu integrieren oder mit einer Einzelkatze zu vergesellschaften. Wenn der Lebenspartner, mit dem man in die erste gemeinsame Wohnung zieht, auch einen Stubentiger mitbringt oder man zum Beispiel eine Mieze von der plötzlich allergisch gewordenen Bekannten „erbt“, ist guter Rat manchmal teuer: Wie bringt man die krallenbewerten Individualisten zusammen, ohne dass es zu Auseinandersetzungen kommt? Wie sorgt man dafür, dass sich ein Neuling möglichst harmonisch in eine bestehende Gruppe einfüg? Und wie bringt man eine Solokatze dazu, mit einem neuen Mitbewohner Freundschaft zu schließen?

Wie so oft gibt es auch hier kein Patentrezept, das garantiert funktioniert. Insgesamt habe ich jetzt schon über zehn mal Katzen in Gruppen integriert und nur einmal hat es nicht funktioniert – es gibt also einiges zu berichten.

Auf die harte Tour – aber bitte ganz sanft!

Die Grundidee ist, dass man die Tiere möglichst zügig zusammenführt, damit sie möglichst schnell eventuelle Mißstimmungen klären können und die Gruppe sich in kurzer Zeit zusammenrauft. Ein Vorteil dieser Methode ist auch, dass die neue Katze in der Regel zu Anfang meist noch dazu bereit ist, sich spontan unterzuordnen, was sie den Alteingesessenen gegenüber natürlich schon mal „sympathisch“ macht.

Dieses Vorgehen empfiehlt sich nur in Katzengruppen, die ein gute gefestigtes Sozialsystem mit offenen Strukturen haben. Das Rudel sollte so funktionieren, dass im Grunde jeder mit jedem zurecht kommt, es also keine geschlossenen Untergruppen, Eifersüchteleien und Streithähne gibt. Gibt es häufig Kämpfe im Rudel, sollten Auseinandersetzungen ohnehin vor der Vergesellschaftung mit einer anderen Katze erstmal geklärt sein. In diesem Fall muss die neue Katze ersteinmal separat untergebracht werden, um dann eine langsame Vergesellschaftung Schritt-für-Schritt vorzunehmen.

Die neue Katze zumindest so selbstsicher sein, dass sie sich nicht durch die Anwesenheit andere Katzen vollkommen einschüchtern läßt, aber auch nicht so übermäßig selbstsicher, dass sie gleich versucht, alle zu dominieren. Eine gesunde Neugier und ein ausgesprägter Spieltrieb sind die besten Voraussetzungen.

Kommt man mit dem neuen Mitbewohner zu Hause an, werden sich sicherlich die die meisten Katzen um den Neuankömmling versammeln. Die „harte Tour“ besteht jetzt eben darin, dass man den neuen Mitbewohner nicht lange separiert, sondern ohne viel Zögern direkt mit seinem zukünftigen Rudel zusammen läßt. Also raus aus dem Transportkorb und rein in die Gruppe. Doch so einfach ist es natürlich nicht! Denn es gibtnatürlich einige Punkte, die man beachten muss:

  • Die Katzen dürfen auf gar keinen Fall alleine gelassen werden. Insbesondere den Neuling muss man immer im Auge behalten.
  • Es muss selbstverständlich genügend Rückzugsmöglichkeiten für alle geben. Daher dürfen die Tiere auf gar keinen Fall zusammen in einen Raum gesperrt werden.

Es ist völlig normal, dass es zunächst Fauchen, Jaulen und Knurren geben wird. Eventuell werden sich die Katzen auch anspucken und sich Backpfeifen geben. Damit muss man leben, denn Katzen sind nun einmal kleine Mini-Raubtiere, die nicht immer zimperlich mit einander umgehen. Geraten aber zwei Tiere heftiger aneinander, muss man als Oberkatze unmißverständlich klar machen, dass so etwas nicht geduldet wird. Lautes Rufen, Klatschen, ein leichter Klaps auf das Hinterteil (kein Schlagen!) und kurzes Anspritzen zum Beispiel mit Wasser aus einer Sprühflasche hilft. Dabei ist zu beachten, dass mit dem Wasser nicht die Katzen durchnäßt werden sollen, sondern dass das Ansprühen das Spucken von fauchenden Katzen simulieren soll.

Wenn es zu wirklich heftigen Auseinandersetzungen kommt, hilft nur noch eins: die Tiere trennen und es Schritt-für-Schritt versuchen.

Trotz allem Fauchen und knurren klappt die Integration auf diese Weise oft erstaunlich gut (siehe „Erfahrungsberichte“).

Auf die sanfte Tour

Gerade wenn man eine Katze in ein eher „explosives“ Rudel integrieren muss oder der Neuling besonders ängstlich ist, muss man unter Umständen langsam und Schritt-für-Schritt vorgehen. Dabei sollte die neue Katze möglichst ohne Kontakt zu den Alteingesessenen ersteinmal in einem separaten Zimmer untergebracht werden. Die Tiere haben dann Zeit, sich über Tage quasi durch den Tierspalt hindurch zu beschnuppern. Optimal ist es, wenn man ein Bettchen oder eine Kuscheldecke zu der neuen Katze legt und es am nächsten Tag gegen etwas austauscht, auf dem alteingesessene Katzen geschlafen haben. Wenn man diesen Tausch über einige Tage hinweg wiederholt, gewöhnen sich die Tiere an den Geruch des anderen. Dann gewöhnt man die Tiere Schritt für Schritt aneinander. Am besten ist es, wenn man zunächst eine der „alten“ Katzen auswählt, die möglichst ruhig und ausgeglichen ist und sie einige Zeit mit dem Neuling verbringen läßt. Nach und nach kann man die Zeit ausdehnen und weitere Katzen hinzusetzen. Optimal ist auch, wenn man die Tür durch ein Gitter ersetzen kann, so dass die Katzen sich zwar sehen und beschnuppern, aber nicht aufeinander los gehen können.

Auch hier gilt: Die Tiere niemals alleine lassen und bei heftigen Auseinandersetzung sofort deutlich machen, dass diese nicht geduldet sind (siehe oben).

Ein paar Tricks

Unabhängig davon, ob die Katzen jetzt schnell oder langsam aneinander gewöhnt werden sollen: einige Tricks helfen immer…

Spielerisch damit umgehen

Wenn die Tiere (noch) über einen starken Spieltrieb verfügen, läßt sich dies hervorragend Nutzen, um Fronten zu überwinden. Bei der gemeinsamen Jagd nach einem Federpuschel sind Fauchen und Knurren schnell vergessen. Ich habe oft beobachtet, dass Katzen beim gemeinsamen Spiel völlig vertieft sind und erst am Ende wieder mit großem Erstaunen – was sich dann in besonders bösem Fauchen äußert – merken, dass es ja der böse Unbekannte war, mit dem sie gespielt haben. Das Eis ist dann aber oft schon gebrochen.

Liebe geht durch den Magen

Gerade wenn die Vergesellschaftung schon etwas weiter fortgeschritten ist, aber aber ein oder zwei Katzen immer noch meinen, protestieren zu müssen, kann man das Rudel durch gemeinsame Mahlzeiten zur Ordnung erziehen. Anstatt Außenseiter getrennt zu füttern, erhalten alle Katzen gemeinsam ihr Futter. Wird eine Katze aggressiv, verweist man sie nachdrücklich ihres Platzes an der Futterschüssel, z.B. mit seinem sanften Nasenstüber oder indem man sie einfach vom Napf wegdrückt. Dabei sollte man deutlich und scharf „Nein“ oder besser „Aus“ rufen (der S-Laut in Aus imitiert das Fauchen einer Katze). Hilft dies nicht, wird die Katze aus dem Zimmer gebracht und die anderen dürfen alleine weiter fressen. Auf diese Weise lernt das Tier schnell, dass agrressives Verhalten in der Gruppe nicht geduldet wird und zum Ausschluß führt. Auf jeden Fall muss die ausgeschlossene Katze später ihre Futterration erhalten, da Hungerkuren für Katzen lebensgefährlich sein können. Allerdings sollte man damit einige Zeit warten. Auf gar keinen Fall darf die Katze unmittelbar nach dem Ausschluß gefüttert werden.

Feliway

Feliway (erhältlich beim Tierarzt) enthält Stoffe, die dem natürlichen Gesichtspheromon der Katze ähnlich sind. Diese Pheromone, die beim Reiben des Gesichts an markanten Stellen aber auch an anderen Katzen freigesetzt werden, signalisieren der Katze, dass sie sich sicher fühlen kann. Auch wenn Feliway sicherlich kein Wundermittel ist, kann es bei der Zusammenführung von Katzen eine positive, unterstützende Wirkung haben.

Über den Autor

Kathrin

3 Kommentare

  • Ich habe Zusammenführungen auf beide Arten durch und die Erfahrung gemacht dass die Katzen sich früher oder später zusammenraufen. Man muss ja nicht gleich erwarten dass sie sich putzen oder kuscheln. Es reicht, dass sie sich gegenseitig akzeptieren und in Frieden lassen.
    Kuscheln ist dann eben ein zusätzliches Extra, wenns gut geklappt hat.
    Mein erster Kater versteht sich mit meiner ersten Katze gut, meine zwei Neuzugänge verstehen sich mit der Katze, aber nicht mit dem Kater. Der ist noch etwas distanziert.
    Aber das wird schon 🙂 Man hat ja Zeit und Geduld 🙂
     
     

  • Dann drücke ich mal die Daumen, dass die Herrschaften noch ein wenig auftauen! Ich habe bisher auch nur einen Fall erlebt, in dem eine Zusammenführung nicht funktioniert hat. Dabei hat es sich aber auch um einen Kater gehandelt, der unkastriert über ein halbes Jahr lang alleine in einem kleinen Badezimmer eingesperrt war, während dravor eine potente Kätzin mit ihren Jungen herumspazierte. Ich denke, dass hat ihn so verrückt gemacht, dass er schließlich gar nicht mehr mit anderen Katzen klar kam. Auch noch Wochen und vorsichtigen Versuchen hat er immer noch alle anderen Katzen aggressivst angegriffen, so dass wir ihn schließlich als Einzeltier vermittelt haben.

    Ansonsten ist es immer gut gelaufen…und manchmal entwickeln Katzen auch nach Jahren in einer bestehenden Gruppe neue Freundschaften. Unsere Signe war bisher eigentlich immer sehr auf ihren Sohn Blaumann fixiert. Nachdem der aber gefallen an unserem neuen Kratzbaum gefunden hat und nachmittags lieber dort alleine in der Höhle schläft, mußte seine Mama sich eine neue Bezugskatze suchen. Und hat sie in Bellie gefunden. Das war total niedlich zu beobachten, wie Signe sich immer mehr mit ihr angefreundet hat – er mit etwas Abstand nebeneinander liegen, dann immer öfter mal Köpfchen geben, erste zaghafte Putzversuche und am Ende richtig zusammen kuscheln.

  • Ja, ich war jetzt in der Situatin mein BKH-Kater 2,5 Jahre bekam einen 14 Wochen alte kleinen BKH-Kater vor die Nase gesetzt. Unser Willi, der Ältere, war schockiert, fauchte und knurte fürchterlich, zog 2 Tage auf den Balkon, am 3. Tag strich er langsam durch die Wohnung, fauchte, sowie der kleine(Oskar) ihn etwas zu nahe kam.Der 4. Tag war dann, zu meinem Erstaunen, erster Freundschaftskontakt und spielen. Jetzt 4 Wochen später, kann einer nicht mehr allein sein. Es wir gerufen, sowie einer der Kater wach ist. Alles wir zu zweit getan, jedoch zum Schlafen hat jeder einen eigenen Platz. Unser Langhaardackel, Paulchen,der ein Leben lang mit Katzen verbracht hat, nahm es wie immer gelassen. Somit haben wir ein fröhliches Trio, nach kurzer Schockphase.

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