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Wörterbuch der Katzensprache

Wörterbuch der Katzensprache | Katzencontent
Verfasst von Kathrin

Die japanische Spielzeugfirma Takara Co ltd. hat kürzlich bekannt gegeben, dass sie ein Spielzeug auf den Markt bringen wird, dass die Lautäußerungen von Katzen in die menschliche Sprache „übersetzt“ 1. Meowlingual, so der Name des Gadgets, wird der kätzische Nachfolger von Bowlingual, der Übersetzungshilfe für den Hund. Das äußert erfolgreiche Bowlingual besteht aus einem Mikrofon, dass am Halsband des Hundes befestigt wird, und einem Übersetzungsteil mit LCD-Anzeige, den man in der Hand hält. Bowlingual erkennt erstaunlich präzise sechs verschiedene Emotionen anhand der Lautäußerungen des Tieres und gibt sie in Form meist humorvoller menschlicher Sätze wieder. Takara Co ltd. betont, dass es sich um ein Spielzeug und nicht um einen wirklich ernst gemeinten Übersetztsungsappart handelt. Trotzdem spiegelt dieses Teil eine alte Sehnsucht des Menschen wieder: die Sprache der Tiere zu verstehen und mit Ihnen direkt kommunizieren zu können.

Kätzisch – eine Sprache?

Die Diskussion darüber, ob Tiere sprechen können beziehungsweise ob die Kommunikation von Tieren als Sprache bezeichnet werden kann, wird heute noch so heftig wie eh und je geführt – und ein Ende der Diskussion ist nicht in Sicht. Daher soll es an dieser Stelle nicht darum gehen, grundsätzlich zu klären, ob die Lautäußerungen von Katzen die Merkmale einer Sprache erfüllen oder nicht. Nicht zu bestreiten ist aber, dass die Laute unserer Hauskatzen bestimmte Reaktionen bei uns hervorrufen können (z.B. die Katze herauslassen oder sie füttern) und dass Katzen alleine durch klassische Konditionierung lernen können, bestimmte Laute einzusetzen, um etwas zu erreichen. Ebenso sollte außer Frage stehen, dass Katzen aufgrund der Anatomie von Rachen, Kehlkopf und Zunge nicht zu verbaler Kommunikation in Form von Wörtern in der Lage sind. Auch wenn einige erzeugt Laute große Ähnlichkeit zu menschlichen Lauten ausweisen, werden sie völlig anders erzeugt. Im Gegensatz zum Menschen nutzen Katzen zum Beispiel ihre Zungenspitze kaum, um laute zu Formen und erzeugen Tonvariationen eher durch Unterschiedliche Spannung im Hals als durch Veränderung der Kieferposition und Mundbewegungen 2. Trotzdem werden die meisten Katzenbesitzer sagen, dass sie mir ihren Katzen „reden“ können – und zwar nicht nur durch Körpersprache, sondern durch Laute.

Ein Wörterbuch für Kätzisch

In einem bahnbrechenden Artikel hat Mildred Moelk bereits 1944 die Vokalisation der Hauskatze beschrieben2. Dabei unterscheidet sie zunächst drei Hauptgruppen von Lauten (zur Lautschrift siehe Wikipedia „Internationales Phonetisches Alphabet“ und „Liste der IPA-Zeichen“ mit Lautbeispielen).

  1. Gemurmel, das mit geschlossenem Mund erzeugt wird: [mhrn] oder [‚mhrn]
  2. Vokalmuster, die erzeugt werden, während der Mund geöffnet und dann nach und nach geschlossen wird, was in einem festen Vokalmuster resultiert: [ɑ:ou], [mɑ:ou], [wɑ:ou] oder [‚mi-ɑ:ou]
  3. angespannte Muster, die mit geöffneten Mund erzeugt werden.

Diese drei Hauptgruppen lassen sich wie folgt unterteilen:

Gemurmel

  1. Schnurren [‚hrn-rhn-‚hrn-rhn], bestehend aus getrennt wahrnehmbaren Vibrationen
  2. Schmeichelnde Forderung oder Begrüßung [‚mhrn], teilweise mit mehreren gurrenden“Rollen“ [‚mhr’hr’hr…’hrn]
  3. Ruf [‚əmrhn] mit Betonung des Anfangstons, klingt voller als das schmeichelnde Murmeln, wird von der Katze eingesetzt, um etwas oder jemanden zu sich zu rufen.
  4. Dank oder Bestätigung [‚mrhŋ], kurzes Murmeln mit schnell fallender Intonation, wird benutzt, wenn die Katze etwas bekommt, was sie gesucht hat oder sieht, dass sie es bekommen wird.

Vokalmuster

  1. Forderung [‚mrhn-ɑ´:ou], mit Variablen Elementen von schmeichenldem Murmeln[‚mrhn] zu vokalisiertem [‚mrhn-ə]. Mit zunehmender Lautstärke und Intensität wird das Gemurmel verkürzt von [‚mhrn], [‚mhr], [‚mhj] zu [‚mi] und der Vokal verstärkt von [ɑ] zu [æ], in besonderen Situation als Flüstern [‚mrhn-ɛ̃ !] oder nasales [ɛ̃ ], wenn die Katze weiß, dass die ruhig sein sollte, den Impuls der Äußerung aber nicht unterdrücken kann.
  2. Bettelnde Forderung [‚mhrn-ɑ:ou], wenn ein bestimmtes Ziel verfolgt wird
  3. Verwirrung [‚mɑou:?]
  4. Beschwerde [‚mrhŋ-ɑ:ou]
  5. Schwacher Paarungsruf [‚mrhn-ɑ1:ou]
  6. Wutheulen [wɑ:ou:]

Angespannte Muster

  1. Knurren [grrr…] und Wutheulen [wɑ:ou:].
  2. Kreischen [‚æ:o] während eines Kampfes
  3. Paarungsruf [‚ø-ø‘:ə]
  4. Schmerz [æ!], [ɛ!] oder [i!] bis hin zu nasalem zæ]
  5. käckernde Verweigerung [‚æz‚æz‚æ], wird benutzt, wenn die Katze sich gezwungener Maßen von etwas zurückzieht.
  6. Fauchen und Spucken [fft!], bei plötzlicher Konfrontation mit einem (vermeindlichen) Feind

Die Äußerung von Lauten gegenüber dem Menschen erfolgt meist, um ein Ziel zu erreichen und wird durch das Ausmaß folgender acht Faktoren beeinflußt:

  1. allgemeiner Wert des Ziels (Wie attraktiv ist das Ziel grundsätzlich? z.B. Wie lecker ist ein bestimmtes Futter?)
  2. situativer Wert des Ziel (Wie stark ist das Bedürfnis der Katze im Moment? z.B. Wie groß ist der Hunger?)
  3. bloße Gewohnheit, auch ohne wirkliches Bedürfnis (z.B. Lautäußerung, wenn die Katze einen Dosenöffner hört, selbst wenn sie keinen Hunger hat)
  4. Bewußtsein darüber, dass das Eingreifen eines Menschen erforderlich ist (z.B. beim öffnen einer Tür)
  5. Grad der Erfolgsaussichten
  6. Schnelligkeit, mit der ein Erfolg erreicht werden kann
  7. Stimmung, körperlicher und emotionaler Zustand
  8. Erfolg oder Mißerfolg der Bemühungen

Auch ohne Wörterbuch…

Dass wir Menschen auch ohne jede Übersetzungshilfe sehr gut verstehen, was unsere Katzen wollen, zeigt eine Studie der Cornell Universität in den USA3. 100 Lautäußerungen von zwölf Katzen wurden zunächst 26 Probanden vorgespielt, die angeben sollten, wie angenehm oder unangenehm jede ist. Daraufhin sollten 28 andere Probanden bewerten, wie dringlich und fordernd die einzelnen Laute klangen. Es zeigte sich, dass die Probanden bei angenehmen Äußerungen schneller reagierten als bei unangenehmen. Diese als angenehm bewerteten, weniger fordernden Miaus waren kürzer, begannen meist hoch und fielen dann ab und hohe und niedriger Frequenzen wurden mit gleicher Energie vorgetragen (wie MII-au). Dringliche, unangenehme Miaus dagegen wiesen mehr Energie im Bereich niedriger Frequenzen auf (wie mii-AU-U-U-U). In 27% der Fälle konnten die Probanden korrekt benennen, was die Laute der katze bedeuten, was signifikant über der Zufallstrefferquote von 20% liegt.

Literatur

  1. BBC New. Japan invents ‚cat chat‘ device.
  2. Mildred Moelk. Vocalization in the House-Cat: A Phonetic and Functional study. The American Journal of Psychology, Vol. 57, No. 2 (Apr., 1944), pp. 184-2005.
  3. Bill Hendrick Psychologists dissect the multiple meanings of meow. Oakland Tribune. May 30, 2003. FindArticles.com. 16 Mar. 2008.

Das Bild „Meow!“ wurde von Frenkieb bei Flickr unter Creative Commons Lizenz zur Verfügung gestellt.

Über den Autor

Kathrin

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