Gesundheit

Wenn die Zähne Probleme machen

Wenn die Zähne Probleme machen | Katzencontent
Verfasst von Kathrin

Erkrankungen der Mundhöhle sind häufigsten Krankheiten bei Katzen überhaupt, wie eine Studie mit 15.000 Katzen zeigte (Quelle: vet-dent.com). Leider hält sich bei einigen Tierärzten noch immer die Meinung, dass Katzen bei Zahnproblemen nicht dieselben Schmerzen empfinden wie wir Menschen. Daher werden Entzündungen, Zahnfleischschwund und Löcher in den Zähnen noch immer zu wenig beachtet. Auch Herrchen und Frauchen schauen ihrem Stubentiger leider viel zu selten ins Maul. Und wer kommt schon auf die Idee, seiner Katze die Zähne zu putzen? Dass diese Maßnahme aber doch eine Überlegung wert sein kann, zeigt die Betrachtung der möglichen Folgen eines vernachlässigten Katzengebisses.

Einige Fachbegriffe

Zunächst sollen einige Fachbegriffe erklärt werden, um eine besseren Durchblick im Dschungel des veterinärmedizinischen Fachchinesisch zu ermöglichen.

Gingiva Zahnfleisch
Gingivitis Zahnfleischentzündung
Odontolithisis (harter) Zahnstein
Parodontitis Entzündung des Zahnhalteapparates
Periodontitis Wurzelhautentzündung
Periostitis Knochenhautentzündung
Pharyngitis Rachenentzündung
Plaque (weicher) Zahnbelag
Stomatitis Mundschleimhautentzündung

Ursachen

Wie bei uns Menschen bildet sich auf den Zähnen der Katze Plaque, ein weicher Zahnbelag, der aus Speichelbestandteilen, Nahrungsreste und Bakterien wie Staphylokokken, Pasteurellen, Aktinomyzeten oder Fusobakterien besteht. Die zähe Konsistenz des Belages resultiert aus einer Eiweißmatrix, durch die die Bakterien verklebt sind. Die weitaus größere Schadwirkung entsteht durch die Toxine, die im Rahmen des bakterieneigenen Stoffwechsels freigesetzt werden. Diese Toxine können lokal das Gewebe zerstören. Das angegriffene Zahnfleisch (Gingiva) zieht sich zurück bis hin zur Bildung einer Art Tasche, in der sich vermehrt Keime ansammeln können. Wird die Plaque nicht entfernt, so bildet sich durch Einlagerung von Mineralien (Kalziumphosphaten) Zahnstein. Man findet ihn vor allem an denjenigen Zähnen, in deren Nähe Speicheldrüsen münden, nämlich auf der Wangenseite der Backenzähne und auf der Zungenseite der unteren Schneidezähne (Quelle). Zahnstein bildet einen besonders guten Nährboden für die in der weiche Plaque lebenden Bakterien, die sich hier besonders gut anlagern können. In 90% sind die Bakterien in den weichen Zahnbelägen die Ursache für die Entstehung einer Paradontitis.

Aufgrund dieser Bakterien, die sich in dickeren Belägen umso besser vermehren können, löst sich der einst dichte Verbund von Zahn- und Zahnfleisch. Schädigende Einflüsse können fortan auf Kieferknochen, Wurzelzement und Parodontalfasern einwirken. Ab diesem Zeitpunkt ist eine reine Zahnsteinentfernung Augenwischerei, ohne Parodontalbehandlung mit Reinigung der Wurzeln kann man der Entzündung nicht Herr werden. Wichtig ist vor allem die konsequente Mitarbeit des Tierhalters, der mittels geeigneter Maßnahmen die Mundhygiene verbessern kann (Quelle: vet-dent.com).

Erkranungen der Mundhöhle werden durch ein geschwächtes Immunsystem begünstigt. Daher werden virale Infektionen wie Calici- (FCV), Immundefizienz- (FIV-Katzenaids), feline Spuma- (FeSV), Leukose-(FeLV), FiP- und Herpesviren (FHV) sowie sekundäre bakterielle Infektionen als Ursache für die Erkrankungen der Mundschleimhaut bei der Katze diskutiert (Quelle: vet-med-dent.com, eine interessante Studie findet sich bei vetinterferon [PDF]). Auch eine erbliche Komponente, die Katzen besonders anfällig für Erkrankungen der Mundhöhle macht, wird inzwischen diskutiert.

Allgemeine Symptome

Werden keine regelmäßigen Kontrollen des Gebisses der Katze durchgeführt, bemerkt man Entzündungen in der Mundhöhle häufig erst, wenn es eigentlich schon zu spät ist. Meist fällt als erstes ein unangenehmer, strenger Mundgeruch bei der Katze auf. Manche Tiere fangen an, stark zu speicheln, was man manchmal auch daran erkennt, dass sich braune Krusten in den Mundwinkeln bilden, wo der speichel abfließt. Auch ein verstärktes Reiben des Mundes mit der Pfote oder an Gegenständen kann ein Hinweis auf eine Entzündung im Mundraum sein. Ein besonderes Alarmzeichen ist, wenn die Katze auf einmal nur noch eine bestimmte Futtersorte zu sich nimmt, den Kopf beim Kauen schief hält, beim Fressen Futter aus dem Mund fallen lässt oder die Nahrungsaufnahme komplett verweigert. Äußert sie dann auch noch Schmerzen bei der Nahrungsaufnahme, sollte man sofort den Tierarzt aufsuchen.

Schnellsten und frühesten Aufschluss über krankhafte Entwickelungen im Mundraum bietet natürlich immer der Blick ins Mäulchen selbst. Daher sollte man seine Katze unbedingt daran gewöhnen, sich ohne großen Widerstand dort untersuchen zu lassen. Je früher man dies übt, desto besser.

Feliner Gingivitis-Stomatitis-(Oro)Pharyngitis-Komplex

Gingivitis

Eine Gingivitis ist eine akute oder chronische Entzündung des Zahnfleisches (Gingiva). Eine akute Gingivitis kann sich schnell (innerhalb von 48 Stunden bilden). Erstes Anzeichen ist eine Rötung des Zahnfleischrandes, die sich in späteren Stadien ausweitet. Das Gewebe schillt an und beginnt meist bereits bei leichten Berührungen zu bluten. Im Zusammenhang mit einer fortgeschrittenen Gingivitis kann es zu einer Entzündung der Wurzelhaut (Periodontitis) und einem Rückgang des Zahnfleisches mit Entzündung des Zahnhalteapparates (Paradontitis) kommen.

Stomatitis

Eine chronifizierte Gingivitis geht häufig mit einer Entzündung der Mundschleimhaut, einer sogenannten Stomatitis einher. Hierbei weitet sich die Entzündung auf Bereiche der Mundschleimhaut aus.

Bei der Stomatitis ist zu beachten, dass sie auch Begleiterscheinung ganz anderer organischer Erkrankungen sein kann.

Bei älteren Katzen zum Beispiel, deren Nieren nicht mehr richtig funktionieren, kommt es zur Urämie (Harnvergiftung). Dabei wird Harnstoff über die Schleimhaut des Magendarmtraktes ausgeschieden. Harnstoff wird durch bestimmte Bakterien zu Ammoniak verstoffwechselt, der als Zellgift die Mundschleimhaut schädigt. Bakterien können sich an diesem locus minoris resistentie vermehren und zur Inflammation beitragen (Quelle: vu-wien [PDF])

(Oro)Pharyngitis

Letzlich kann sich die Entzündung des Mundraums bis auf den Rachen ausdehnen und es kommt zu einer Halsentzündung, der Pharyngitis.

Plasmazellen-Gingivitis

Eine chronische Gingivitis-Stomatitis-Oropharyngitis wird auch als Plasmazellen-Gingivitis, Plasmazellpharyngitis, chronische Stomatitis, lymphoplasmazelluläre Stomatitis oder feline chronische Gingivo-Stomatitis bezeichnet. Hierbei handelt es sich um eine besonders ausgeprägte Entzündungsreaktion. Neben dem stark geröteten Zahnfleisch, das häufig zahlreiche Granulome und Wucherungen aufweist, zeichnet sich die Plasmazellen-Gingivitis histologisch durch eine starke Ansammlung von Plasmazellen aus, die in den Lymphknoten, Mandeln, Milz und Schleimhäuten aus B-Lymphozyten gebildet werden und die der Produktion von Antikörpern dienen.

Einige Studien legen einen Zusammenhang zwischen Plasmazellen-Gingivitis und der Infektion mit Calici-Viren nahe. Während bei Katzen mit chronischer Gingivostomatitis 85 – 100% den felinen Calici-Virus trugen, liegt die Prävelenz bei nicht betroffenen Tieren bei ca. 30% (Quelle: Virbac)

Feline odontoklastische resorptive Läsion (FORL)

Im Unterschied zu den Erkrankungen felinen Gingivitis-Stomatitis-Oropharyngitis-Komplex, bei denen entzündliche Prozesse durch Baktieren und deren Stoffwechselprodukte ausgelöst werden, erfolgt bei der FORL ein Abbau der Zahnhartsubstanz durch köpereigene Abbauzellen.

Die Läsionen werden durch Odontoklasten verursacht, die nach und nach den Zement, dann das Dentin abbauen und kleine Aushöhlungen bilden, die sich zunehmend vergrössern, indem sie sich untereinander verbinden. Diese Läsionen können a priori irgendwo entlang der Wurzel beginnen, hingegen treten sie statistisch gesehen bei den Prämolaren und den Molaren beim Kieferkamm (auf Höhe des Kieferkammes), und bei den Eckzähnen beim apicalen Drittel (Harvey, 2005) auf. In einer ersten Phase befinden sie sich unterhalb der Höhe des befestigten Zahnfleischrandes, dabei sind sie steril und nicht schmerzhaft. Schrittweise münden sie in die Mundhöhle, wo sie sekundär und schnell von den Bakterien der Mundflora befallen werden. In diesem Moment wird die Läsion schmerzhaft und füllt sich mit einem feuerroten, körnigen Granulationsgewebe, das durch eine Schicht Zahnfleischepithel bedeckt ist. Auf diese Weise geschwächt, geht die Krone in Brüche und manchmal bleiben nur einige Reste der Zahnkrone, die von einer Schicht infiziertem und entzündetem Zahnfleisch umgeben sind. In einer gewissen Anzahl von Fällen verschwindet die Krone gänzlich unter einer Schicht Zahnfleisch, die sich neu gebildet hat. Der ehemalige Zahn lässt sich dann nur radiografisch nachweisen, weil die Wurzel oder ihre Spuren häufig lange im Knochen des Zahnfachs bleiben, bevor sie komplett resorbiert und durch die Osteoklasten umgestaltet werden (Quelle: Virbac)

Schätzungen zufolge sollen über 50% aller Katzen im Alter von über fünf Jahren von FORL betroffen sein. Neuen Studien zufolge sollen sogar 65 – 70% aller Katzen, die zu einer Zahnsteinentfernung angemeldet wurden, unter FORL leiden (Quelle: Virbac).

Klassifikation von Erkrankungen der Mundhöhle

Nach Williams u. Aller, 1991 werden vier klinische Klassifikationen vorgenommen:

Feline juvenile (jugendliche) hyperplastische Gingivitis

Häufig bei Rassekatzen kurz vor oder während des Zahnwechsels überschießende stark durchblutete (hyperämische, proliverative Gingivitis) entzündliche Schleimhautwucherungen, die teilweise die gesamte Krone überdecken und vergesellschaftet mit Plaqueablagerungen und FORL gesehen werden.

Feline juvenile Gingivitis-Parodontitis

Während oder kurz vor der Zahnung bei Europäisch Kurzhaar-Katze (EKH), Maine Coon und Siam-Katzen wird diese Form vermehrt angetroffen. Entwicklungsschwache Patienten, die als Welpen bereits Infektionen der oberen Atemwege (z.B. Katzenschnupfen) aufwiesen, haben starken Plaque- und Zahnsteinbelag bei gleichzeitig auftretender Schleimhautrückbildung, Taschenbildung, Knochenabbau, Freilegung der Zahnwurzeln, FORL und entzündlichen Zahnfleischschwellungen.

Feline adulte (erwachsene) Parodontitis

Dieses Krankheitsbild entwickelt sich sukzessive über mehrere Jahre, wobei sich nach und nach Plaque- und Zahnsteinbefall vermehren und eine chronische Entzündung der Gingiva (Zahnfleisch) bewirken.

Feline adulte Gingivo-Stomatitis

Sie kommt generalisiert vor und ist gekennzeichnet durch überschießendes Granulationsgewebe, massive Plaque- und Zahnsteinablagerungen, FORL, Zahnverlust und Wurzelreste im Zahnfach. Dieser chronische Prozess scheint das Resultat einer Anhäufung immunologischer Reaktionen zu sein, welche sich zum einen durch eine Schwächung des Immunsystems (Immunsuppression) oder durch eine Überreaktion (Hyperreaktivität) entwickeln. Somit werden immunsupprimierte und hyperreaktive Patienten unterschieden.

(Quelle: vet-med-dent.com)

Das Bild „Puffy the Fierce II“ wurde von Xeubix bei Flickr unter Creative Commons Lizenz zur Verfügung gestellt.

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Kathrin

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