Ernährung

Futterkunde Teil 3 – Trockenfutter und ausreichend Wasser?

Wie viel ist normal? | Katzencontent
Verfasst von Kathrin
Dieser Artikel ist Teil 3 von 4 der Setie Futterkunde

„Stellen Sie der Katze immer ausreichend Wasser zur Verfügung.“ – ein typischer Hinweis bei der Fütterung von Trockenfutter.

Aber wie viel Wasser ist ausreichend? Wie viel muss eine Katze trinken, um die gegenüber ihrer natürlichen Nahrung im Trockenfutter fehlende Flüssigkeitsmenge aufzunehmen? Kann eine Katze überhaupt genug trinken?

Trotz der bereits lang andauernden Domestikationsphase unserer Hauskatzen bleiben sie immer noch Tiere, deren Wurzeln in der Wüste liegen. Anders als Hunde reagieren sie daher auch weniger empfindlich auf Durst und Austrocknung 1. Sie dosieren die Wassermenge, die sie durch Trinken aufnehmen müssen, nicht nach dem Wassergehalt der Nahrung, sondern anhand der Menge aufgenommener Trockensubstanz 2. Katzen trinken die gleiche Menge Wasser, unanhängig davon, ob sie eine bestimmte Menge Trockensubstanz bereits mit Feuchtigkeit vermischt in Form von Nassfutter oder dieselbe Menge Trockensubstanz in Form von Trockenfutter aufnehmen.

Dieser Annahme zufolge würden Katzen den zusätzlichen Feuchtigkeitsbedarf, der durch die Trockenfütterung entsteht, nicht durch zusätzlich Trinken ausgleichen. In verschiedenen Studien konnte gezeigt werden, dass Katzen selbst bei vermehrter Trinkwasseraufnahme beim Verzehr von Trockenfutter meist nicht die Gesamtwasseraufnahme erreichen wie bei der Fütterung von Naßfutter 3. Rechnet man die in der Nahrung enthaltene Feuchtigkeit und die aufgenommene Wassermenge zusammen, nehmen Katzen, die Trockenfutter fressen, nur ungefähr die Hälfte des Wassers auf, die Katzen Nassfutter mit über 70% Feuchtigkeit zu sich nehmen 3 4.

Was ist daran so problematisch? Man mag einwenden, das Katzen Wüstentiere Katze doch in der Lage sein sollten, auch bei Wassermangel gut zu überleben, indem sie zum Beispiel ihren Urin stärker konzentriert und weniger Wasser ausscheidet.

Aber genau das ist der Knackpunkt. Denn eine geringere Urinmenge ist mit einem erhöhten Risiko für die Bildung von Harnsteinen (FUS / FLUTD) assoziiert, da mineralische Stoffe in höherer Konzentration länger in der Blase verbleiben und sich daher versträkt ablagern können. Zudem konnte gezeigt werden, dass selbst bei gleicher Gesamtwasseraufnahme bei Trockenfütterung nur 54% des aufgenommenen Wassers als Urin ausgeschieden wurden, während es beim Feuchtfutter 67% waren. Grund hierfür ist die stärkere Abgabe von Wasser über den Darm bei Trockenfütterung. Das bedeutet, dass die Urinmenge bei der Trockenfütterung einerseits durch den zu geringen Ausgleich der fehlenden Wassermenge und zusätzlich noch über die vermehrte Ausscheidung von Wasser über den Darm verringert wird 3.

Sollte man jetzt nur noch Feuchtfutter fressen? Dazu ist anzumerken, das eine reine Ernährung mit Naßfutter aus Dose oder Beutel mit einer höheren Neigung zur Bildung von Zahnstein einhergeht, was wieder mit anderen Risiken verbunden ist. Sinnvoll ist sicherlich eine Ernährung, in der ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen hartem Trockenfutter zur Zahnpflege und feuchtem Dosenfutter zu Förderung der Harnmenge besteht.

Literatur und Quellen

  1. Zoran DL, The carnovore connection to nutrition in cats. JAVMA 2002;11;1559-1567 [PDF]
  2. Anderson RS, Water balance in the dog and cat. J Small Anim Pract 1982;23:588-598
  3. Schulz A. Untersuchung zum Einfluß der Proteinqualität und -quantität im Futter auf die Harnzusammensetzung bei Katzen. Dissertation [PDF]
  4. Krik CA, Debraekeleer J, Armstrong PJ. Normal cats. In Hands MS, Thatcher CD, Remillard RL, et al, eds. Small animal clinical nutrition. 4th ed. Philadelphia: WB Saunders Co, 2000:291-351

Das Bild „Kissing herself“ wurde von tanakawho bei Flickr unter Creative Commons Lizenz zur Verfügung gestellt.

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Kathrin

3 Kommentare

  • Trockenfutter hilft nicht gegen Zahnstein. Die so genannten Kibbles werden höchstens einmal geknackt und dann verschluckt.
    Der Katzenkiefer ist nicht zum „Kauen“ geeignet. Ober- und Unterkiefer können nicht wie beim Menschen nach links und rechts gegeneinander verschoben werden. Ein zahnreinigender Effekt, welcher durch Trockenfutter entsteht, ist leider nur ein oft propagiertes Gerücht.

    Zur Vorbeugung von Zahnstein eignet sich frisches,  rohes Fleisch. Z.B. Rindfleisch. Die Stücken sollten mausgroß gewählt werden.
    Das eine Katze keine solche großen Stücken verschlucken kann, wird sie entsprechend auf dem Fleisch drauf „herumknetschen“, also ganz so, als würde sie eine Maus zerteilen.

    Viele Grüße,
    Katrin

  • Hallo Katrin,

    im Grunde stimmt das – selbst wenn Trockenfutterbrocken geknackt werden, ist der zahnreinigende Effekt gering und keinesfalls so hoch, wie oft propagiert. Ich denke, dass er aber immer noch größer ist, als wenn eine Katze nur mit weicher Paté gefüttert wird, wo es ja überhaupt keine Reibungseffekte im Mundbereich gibt.

    Aber auf jeden Fall stimmt es, dass mit konventionellen Fertigfutter die Zahnstein nicht verhindert werden kann.

    Der Vorschlag mit einem größeren Stück Rindfleisch ist hervorragend! Was sich ansonsten natürlich auch sehr gut eignet, sind Eintagsküken, die man im Fachhandel für Reptilien beziehen kann. Da kann man dann auch davon ausgehen, dass sie unter entsprechend hygienischen Bedingungen hergestellt werden. Auch gefrorene Mäuse kann man da beziehen, aber die sind relativ teuer. Und das verfüttern von „ganzen Tieren“ ist eben nicht jedermans Sache…

    Ansonsten kann ich nur empfehlen, die Zähne der Katze regelmäßig mechanisch zu reinigen, zum Beispiel mit einer Zahnbürste oder einem entsprechenden Schaber (gibt es bei Ebay oder teilweise auch auf Flohmärkten).

    Aber ich sehe schon: hier ist ein Artikel fällig!

    Danke noch einmal für die Ergänzung und liebe Grüße

    Eli

     

     

     

  • Hallo liebe Eli,

    Eintagsküken sind tatsächlich hervorragend, aber nicht jedermanns Sache. Für viele sind die Küken einfach noch zu niedlich, um sie an Katzen zu verfüttern. Erst recht, wenn kleine Kinder im Haushalt sind.
    Leider wissen die wenigsten Menschen, dass sie mit dem Katzenfutter eh Eintagsküken verfüttern.
    Wir verfüttern Eintagsküken sehr gerne und die Katzen freuen sich darüber auch jedes mal lautstark. Leon, der 9-jährige Sohn meines Partners findet das auch sehr spannend, auch wenn er anfangs etwas komisch geguckt hat. 🙂
    Viele Katzen sind durch das Industriefutter leider „verwöhnt“, so dass sie kaum noch normales (im Gegensatz zu Katzenfutter fast geruchtslos) Fleisch annehmen wollen. Das liegt an den zugesetzten Aromastoffen, welche dem Futter zugesetzt wird. Und wenn die Zahnbürste verschmäht wird, dann wird es schwierig.
    Da heißt es dann am Ball bleiben.
    Man kann auch einfach mal ein paar Hühnerherzen nehmen, diese werden teilweise eher angenommen, als anderes Fleisch.
    Wenn die Katze das ganze komplett verschmäht, kann man etwas TroFu im Mörser zerbröseln und dies über die Herzen (oder das „Zahnputzfleisch“) geben.
    Aber wenn du es schaffst, deinen Katzen die Zähne zu puten, da bin ich ja gespannt. 🙂

    Wir barfen unsere Tiere komplett, ob klein oder groß. Nur einmal in der Woche gibt es für alle eine 200g Dose GRAU, damit die Katzen im Ernstfall auch noch Dosenfutter annehmen. Das ist wie Mc Donalds für die Katzen. 😉
    Wir haben durch die mausgroßen Fleischstücke im Futter gar keine Zahnfleischprobleme. Die Zähne sind alle blitzweiß.

    Ich behalte deine Seite im Auge, sie ist sehr interessant. 🙂

    Liebe Grüße,
    Katrin & der Russenclan aus Halle

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