Gesundheit

Katzenschnupfen

Katzenschnupfen | Katzencontent
Verfasst von Kathrin

Den Katzenschnupfen gibt es nicht. Denn die Bezeichnung Katzenschnupfen ist ein Sammelbegriff für verschiedene ansteckende Erkrankungen der Atemwege und Schleimhäute der Katze.

Da verschiedene Erreger an einer Feline Rhinotracheitis (so der Fachbegriff für Katzenschnupfen, gebräuchlich sind auch Infektiöse Katzenrhinitis, Feline upper respiratory disease, Cat flu) beteiligt sind, gibt es keine klar definierbaren Symptome, die eindeutig einen Katzenschupfen bzw. die Infektion mit einem der beteiligten Erreger anzeigen.

Virale Erreger

Feliner Calicivirus (FCV)

Der Feliner Calicivirus (FCV) ist der wichtigste Erreger für Katzenschunpfen. Es handelt sich um einen unbehüllten RNA-Virus, der viele verschiedene Stämme hat, die serologisch kaum unterscheidbar sind, aber eine sehr unterschiedliche Infektiosität haben. Die hohe genetische Variabilität von FCV führt dazu, dass ein Impfschutz nur unvollständig möglich ist. Auch geimpfte Katzen können jederzeit mit einem Erreger in Kontakt kommen, gegen den sie nicht immunisiert sind.

Hauptübertragungsweg ist eine Tröpfcheninfektion über Sekrete aus Mund oder Nase. Eintrittsort sind die Schleimhäute von Nase und Mund sowie das Auge.

Eine Infektion mit FCV äußert sich meist in Fieber, Gelenk- und Muskelschmerzen und Geschwüren in der Mundhöhle. In selteneren Fällen kann es zu Lungenenzündungen und Lahmheit kommen. Wenn die Atemwege betroffen sind (insbesondere bei Kitten), erinnern die Symptome an eine Infektion mit dem Felinen Herpesvirus. Typisch für eine Infektion mit FCV ist eine chronische Entzündung der Mundschleimhaut.

Eine systemische Infektion mit FCV (VS-FCV) verläuft dagegen schwerer. Diese Erregerstämme verursachen Vaskulitis (Entzündung der Arterien und Venen) und betreffen verschiedenen Organe. Es bilden sich Ödeme, Geschwüre und Läsionen (Löcher im Gewebe). Bis zu zwei Drittel der systemisch infizierten Katzen sterben.

Die Erkrankung hält meist zwei bis drei Wochen an. Auch wenn sich Katzen von einer Infektion mit FCV erholt haben, scheiden sie noch mindestens 30 Tage den Erreger aus. Bei einigen Katzen konnte gezeigt werden, dass sie den Virus noch nach Jahren ausschieden.

Feliner Herpesvirus (FHV-1)

In 5-10 Prozent der Fälle von Katzenschnupfen kann auch das Feline Herpesvirus (FHV) isoliert werden (Lutz 2006, Truyen 2006 Quelle). Hierbei handelt es sich um einen behüllten DNA-Virus. Die einzelnen Stämme zeigen geringe genetische Varianz und sind daher einfacher nachzuweisen als die variableren Caliciviren.

Der Hauptinfektionsweg verläuft über Sekrete aus Mund, Nase und Augen meist auf direktem Weg zwischen den Tieren. Eintrittsort sind die Schleimhäute von Nase und Mund sowie das Auge. Auch eine Infektion über die Umgebung ist möglich, aber selten. Außerhalb des Wirtes überlebt das Virus maximal 24 Stunden und kann durch die meisten gängigen Desinfektionsmittel zerstört werden.

Die Inkubationszeit beträgt teilweise nur 24 Stunden. Da das Virus sich nicht bei Temperaturen von mehr als 37° vermehren kann, werden die Schleimhäute im Kopfbereich befallen, die eine niedrigere Temperatur aufweisen.

FHV-Infektionen bleiben meist lokal begrenzt. Die Symptome betreffen vor allem die oberen Atemwege wie Nase und Nasennebenhöhlen oder auch die Bronchien. Typisch ist ein starker Ausfluss aus Augen und Nasen sowie Entzündungen der Bindehäute, teilweise mit Hornhautschädigung, die im schlimmsten Fall zu Erblindung führen kann. Zudem können sich auf der Zunge Geschwüre bilden und an den Nasenmuscheln kann es zum Absterben von Gewebe kommen. Da der Geruchssinn stark eingeschränkt ist, verweigern erkrankte Katzen oft die Nahrungsaufnahme. Die Infektion hält über ein bis drei Wochen an.

Auch wenn Katzen die Infektion mit FHV überstanden haben, bleibt der Erreger latent vorhanden. Der Virus wandert während der Infektion entlang der sensorischen Nerven und setzt sich in der Nasenschleimhaut, dem weichen Gaumen, den Mandeln, dem Trigeminonganglion, dem Sehnerv oder der Hornhaut fest. Durch Stress kann der Virus jederzeit wieder aktiviert werden

Bakterielle Erreger

Mycoplasma felis

Mykoplasmen sind bakterielle Erreger, die sich auf den Schleimhäuten der Atemwege und des Urogenitaltraktes festsezten. Sie lösen meist eine Bindehautentzündung und Schnupfen aus. Die Erkrankung dauert ungefähr zwei bis vier Wochen. Zur Zeit ist noch nicht geklärt, ob es sich bei Mycoplasma felis um eine Primär- oder Sekundärerkrankung handelt.

Bartonella henselae

Bartonella henselae löst beim Menschen die sogenannte Katzenkratzkrankheit aus (siehe Bericht bei Katzencontent). Bei der Katze zeigt treten selten Symptome auf. Eventuell auftretendes Fieber, Muskelschmerzen und neurologische Symptome verschwinden meist schon nach wenigen Tagen.

Bordetella bronchoseptica

Die Bordetella bronchoseptica ist ein Stäbchenbakteriuem, dass sich mit seinen Flagellen selbst bewegen kann. Da das Bakterium sehr instabil ist, erfolgt eine Infektion nur durch direkten Kontakt oder durch Aerosole. Symptome einer Infektion sind Fieber, Niesen, Nasenausfluss, verstärkte Atemgeräusche und Schwellung der Lymphknoten am Hals. Anders als bei Hunden, bei denen diese Krankheit als Zwingerhusten bekannt ist, tritt bei der katze typischerweise kein Husten auf. Lediglich bei jungen Kitten kann es zu lebensbedrohlichen Lungenentzündungen kommen, ansonsten heilt die Erkrankung nach ungefähr zehn Tagen aus.

Parasiten

Clamydophila felis

Clamydophila felis löst eine Bindhautentzündung aus, die häufig mit eitrigem Augenausfluss in Verbindung steht.

Sekundärinfektionen

(nach Adler et al., 2007 Quelle)

Pasteurella

Pasteurella wird bei 52 – 99% aller Katzen im Bereich von Nase, Zahnfleisch und Mandel gefunden und findet sich häufig in Wunden von Katzenbissen. Durch Virusinfektionen oder Streß kann die die Pasteurella starkt vermehren und in die tieferen Atemwege abwandern, wo das von ihr ausgeschiedenen Endotoxin die Menge des Lungen-Surfactant (Schleimüberzug der Lunge) verringert, während es dessen Oberflächenspannung erhöht und so den Gasaustausch behindert. Folge ist eine Lungenentzündung.

Staphylococcus

Einige Staphylococcus-Arten wie der Stapyhlococcus aureus können zu schweren Lungenentzündungen und Blutvergiftungen (Sepsis) führen.

Escherichia coli

Escherichia coli kommt im Darm von Menschen und tieren vor und gehört eigentlich zur normalen Darmflora. Außerhalb des Darms kann E. coli aber Infektionen hervorrufen, wie zum Beispiel Harnwegsinfektionen.

Streptococcus

Streptococcus besiedelt vor allem Haut und Schleimhäute und führt erst zu einer Erkrankung, wenn das immunsystem bereits geschwächt ist. Einige Streptokokkenarten haben die Fähigkeit, rote Blutkörperchen zu zerstören.

Pseudomonas

Pseudomas titt nur bei geschwächtem Immunsystem aus. Nach Befall des Nasen-Rachenraums dehnt sich der Erreger auf die Lunge aus. Es kommt zur Lungenentzündung.

Klebsiella

Das Enterobakterium Klebsiella verursacht vor allem Lungenentzündungen, Sepsis und Harnwegsinfektionen.

Weitere Informationen und Quellen

Intervet: Katzenschnupfen

The European Advisory Board on Cat Diseases: Feline Calicivirus [PDF, Engl.]

The European Advisory Board on Cat Diseases: Feline Herpesvirus-1 [PDF, Engl.]

Laboklin: Meine katze hustet! Neues zum Thema „Katzenschnupfen“

Das Bild „This ist better than cat grass!“ wurde von angela7dreams bei flickr unter Creative Commons Lizenz zur Verfügung gestellt.

Über den Autor

Kathrin

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