Verhalten

Unsauberkeit Teil 3 – Protestverhalten

Unsauberkeit Teil 3 - Protestverhalten | Katzencontent
Verfasst von Kathrin
Dieser Artikel ist Teil 3 von 5 der Setie Unsauberkeit

Wenn körperliche Erkrankungen und Markierverhalten als Ursache für die Unsauberkeit einer Katze ausgeschlossen sind, wird es schwieriger, den Grund für das Verhalten ausfindig zu machen.

Denn Anlaß für sogenanntes „Protestpinkeln“ können viele Dinge sein.Zu dem Begriff Protestpinkeln oder Protestverhalten allgemein sei folgendes gesagt: Die Katze protestiert hiermit nicht bewußt! Sie „beschließt“ nicht, ihren Menschen mit etwas zu ärgern und „plant“ auch nicht, ein bestimmtes Verhalten zu erzwingen. Protestverhalten ist nie Schikane von Seiten der Katze, sondern ist immer Ausdruck dessen, dass das Tier sich unwohl fühlt, gestreßt ist, vor etwas Angst hat oder anderen Belastungen ausgesetzt ist. Daher bringen in diesem Fall Strafen auch nichts. Im Gegenteil: Straft man die Katze, kann dies zusätzlichem Streß und verstärktem Protestpinkeln führen. Das schließt sowohl das Beschimpfen der Katze, Schlagen, laute Geräusche machen und mit Wasser bespritzen als auch die Verwendung von Fernhaltesprays ein.

Um effektiv gegen die Unsauberkeit vorgehen zu können, muss man zunächst den eigentlichen Grund für das Verhalten der Katze finden und verstehen. Die Auslöser können hierbei sehr vielfältig sein. Eine mögliche Ursache können Veränderungen am Katzenklo oder im direkten Umfeld sein, zum Beispiel die Verwendung eine anderen Einstreu, eine neue Katzentoilette, das Umstellen der Katzentoilette oder neue Möbel. Hierbei sollte man nicht nur auf Dinge achten, die anders aussehen, sondern auch auf etwas, was möglicherweise anders riecht. Ein Raumbedufter in der Nähe der Katzentoilette kann unter Umständen dazu führen, dass diese nicht mehr aufgesucht wird. Insgesamt sollte man auf neue Gerüche achten. Ein neuer Weichspüler oder ein anderes Waschmittel können die Ursache dafür sein, dass eine Katze anfängt, in die frisch gewaschene Wäsche zu pinkeln (sehr unangenehm). Auch größere Veränderungen in der Wohnung wie zum Beispiel Renovierungsarbeiten oder die Umgestaltung von Zimmern können eine Katze stark verunsichern. Den Extremfall stellt hierbei natürlich ein kompletter Umzug dar.

Katzen sind absolute Gewohnheitstiere und reagieren äußerst empfindlich auf Veränderungen im Tagesablauf. Eine plötzliche Umstellung der Futterzeit oder andere Arbeitszeiten von Herrchen bzw. Frauchen können zu Angst und Unsicherheit und damit zu Unsauberkeit fühlen. Teilweise beginnen Katzen in Situationen, in denen sie weniger Aufmerksamkeit bekommen als gewohnt mit dem Protestpinkeln. Die menschliche Interpretation wäre, dass die Katze „ihren“ Menschen dafür bestrafen möchte, dass er ihr weniger Aufmerksamkeit schenkt. Aber das stimmt (in der Regel) nicht – zu so einem taktischen Denken sind Katzen trotz aller Intelligenz nicht fähig. Vielmehr fühlen sie sich durch den Aufmerksamkeitsentzug verunsichert und reagieren daher entsprechend – nämlich indem sie ganz kätzisch anfangen, an anderen Stellen zu pinkeln.

In einem Mehrkatzenhaushalt können auch Veränderungen in der Katzengruppe zu Protestpinkeln führen. Diese Veränderungen müssen dabei nicht immer so offensichtlich sein wie zum Beispiel eine neu hinzukommende Katze. Manchmal sorgt auch eine Verschiebung im Hirarchiegefüge dazu, dass eine Katze nicht mehr auf die Toilette geht. Vor allem dann, wenn dem Tier einmal beim Toilettengang aufgelauert wurde oder sie nach der Toilettenbenutzung Prügel bekommen hat. Dies hängt wiederum eng mit dem Dominanzverhalten von katzen zusammen. Eine Katze, die vor einer anderen Kot oder Urin absetzt, zeigt damit ihre Dominanz gegenüber dem anderen Tier. Daher dulden einige Katzen nicht, das häufig unterlegene Tier vor ihren Augen die Toilette benutzen. Andere Katzen wiederum demonstrieren ihre Dominanz dem Menschen gegenüber, in dem sie direkt vor seinen Augen urinieren oder Kot absetzen.

Als letzter Grund ist noch anzuführen, dass eine Katze natürlich auch einfach aufgrund mangelnder Sozialisation und zu früher Trennung von der Mutter nie gelernt hat, eine Katzentoilette zu nutzen. Das gleiche kann für Katzen gelten, die lange frei gelebt haben. Meine Erfahrungen mit wild aufgewachsenen Katzenbabies haben aber eigentlich immer gezeigt, dass selbst diese Tiere in einer Katzengruppe quasi sofort das Prinzip Katzentoilette verstehen.

Nachdem die Ursache für das Problem erkannt wurde, sollte man diese schnellstmögliche beseitigen. Bei einem neuen Raumspray oder Nutzung einer anderen Katzenstreu dürfte das eigentlich kein Problem sein. Aber was tut man, wenn man die Ursache gar nicht mehr ändern kann? Renovierungsarbeiten sind nicht mehr rückgängig zu machen und auf Veränderungen in der Sozialstruktur einer Katzengruppe kann man wenig Einfluß nehmen.

Als erste sollte man mehr Katzentoiletten aufstellen, wenn möglich an der Stelle, an der die Katze mit Vorliebe Urin absetzt. Das muss keine dauerhafte Lösung sein. Hat die Katze erst einmal wieder die Vorteile von Katzenstreu wieder erkannt (man kann schön drin scharren), wird sie sich vielleicht wieder darauf einlassen, die Toilette an anderer Stelle zu benutzten. Hilft das nicht, kann man versuchen, verschiedene Einstreusorten zu nutzen. Auch Pheromonsprays (Felifriend und Feliway), die man beim Tierarzt bekommt, können helfen, indem sie beruhigend auf die Katze wirken und ihr ein Sicherheitsgefühl verschaffen.

Und dann heißt es: Geduld. Denn die Katze wird unter Umständen nicht von heute auf morgen mit ihrem Verhalten aufhören. Unsauberkeit bei Katzen kann unheimlich nervtötend sein. Ich weiß das aus eigener sehr leidlicher Erfahrung. Aber am Ende gibt es kein Mittel, die Katze zu zwingen, die Toilette zu benutzen. Man muss sich immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass sie es nicht persönlich meint und einen nicht ärgern möchte. Und meistens bekommt man Unsauberkeit dann auch wieder in den Griff…

Das Bild „Dot in the sink“ wurde von izzie_whizzie bei Flickr unter Creative Commons Lizenz zur Verfügung gestellt.

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Kathrin

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