Zucht

Meine Katze soll einfach mal Babys bekommen…

Meine Katze soll einfach mal Babys bekommen... | Katzencontent
Verfasst von Kathrin

Immer wieder liest man in Internetforen Beiträge, die mit dem Satz „Meine Katze soll einfach mal Babies bekommen…“ anfangen. Keine zwei Zeilen später stellt sich dann heraus, dass der Schreibende eigentlich keine Ahnung von geplanter und verantwortungsvoller Katzenzucht hat. Und wenn dann am Ende des Beitrages steht: „Darum suche ich einen netten, potenten Kater, der meine Katzendame zu einer glücklichen Mutter macht“ weiß ich nicht mehr, was ich angesichts der Naivität einiger Leute denken soll.

Dann möchte ich solchen Leuten einfach mal folgendes sagen:

Du möchtest, dass Deine Katze Babies bekommt? Du bist doch sicherlich ein verantwortungsvoller Katzenbesitzer. Das heißt, Du wirst alles tun, damit Deine Katze und ihre zukünftigen Babies es so gut haben wie nur möglich. Daher wirst Du folgende Schritte sicherlich genau befolgen.

Sammle allgemeine Informationen

Den ersten Schritt tust Du ja bereits, indem Du diesen Text liest. Aber das ist natürlich bei Weitem nicht genug. Du solltest Dich eingehend damit beschäftigen, wie Trächtigkeit, Geburt und die Aufzucht der Kitten ablaufen. Informiere Dich darüber, welche Komplikationen auftreten können und wie Du Dich in solchen Fällen verhalten musst. Spreche mit erfahrenen Züchtern, die Dir Tipps geben können und Dir im Notfall zur Seite stehen. Beschäftige Dich auch mit dem Thema Genetik.

Setze dir ein Ziel

Nein, „Meine Katze soll Babies bekommen“ ist kein Ziel! Mit einem Ziel meine ich einen Vorsatz, der nicht nur Deine eigenen Bedürfnisse und die von Dir unterstellten Bedürfnisse Deiner Katze befriedigt, sondern der insgesamt die Entwicklung und den Fortbestand einer Rasse oder bestimmter Merkmale einer Katze sichert. Hat Deine Katze etwas besonderes, was Du unbedingt in einer nächste Generation weiter geben möchtest? Was ist das? Und ist es überhaupt erblich? Und wenn ja: Wie wird es sich vererben? Beryl Cox, die Entdeckern von Kirlee, dem ersten Devon Rex Kater, war sehr erstaunt, als die Nachkommen ihres Katers mit ebenfalls gelockten Cornish Rex Kätzinnen glatte Haare hatten. Erwarte also nicht zu viel…

Studiere Stammbäume

Das ist der erset Schritt zur Auswahl des passenden Katers. Wer sind die Vorfahren Deiner Katze? Gibt es bestimmte Linien, die besonders häufig vorkommen? Welche Linien müßte ein Kater haben, um diese optimal zu ergänzen? Zudem solltest Du die Eigenarten einiger häufig im Stammbaum vorkommenden Tiere kennen. Gibt es vielleicht Katzen, die Erbkrankheiten trugen (für Devon Rex gibt es zum Beispiel eine Liste von Myopathie-Trägern)? Oder zu Allergien neigten?

Dein Katze hat keine Stammbaum? Das macht es natürlich noch viel schwieriger. Denn was weißt Du schon über die Vorfahren…

Gesundheitscheck

Du glaubst, Deine Katze sei gesund? Es kann ja gut sein, dass sie gesund aussieht. Aber kannst Du wissen, ob sie eventuelle rezessive Gendefekte trägt, die bei den Kitten hervortreten könnten? Natürlich nicht. Daher sollte man eine Katze auf eventuelle erbliche Defekte testen lassen. Dazu gehören HCM (Hypertrophe Cardiomyopathie), HD (Hüftdysplasie), Pyruvat Kinase Mangel, PRA (Prgressive Retinale Atrophie).

Selbstverständlich sollte die Katze vor dem Decktermin auch allgemein druchgecheckt werden. Ein Abstrich zum Ausschluss von Infektionskrankheiten ist selbstverständlich.

Katerwahl

Nein, hiermit ist nicht gemeint, dass Du nach dem erstbesten „willigen Kater“ suchen sollst. Die Wahl will gut überlegt sein – und dabei helfen gute Genetik- und Stammbaumkenntnisse. Wenn man das „schöne blau“ seiner Katze auch bei den Babies wieder finden möchte, sollte man nicht den rotgetigerten Kater des Nachbarn zum Vater wählen. Das wäre keine optimale Wahl…

Die Ausstattung

Die werdende Mutter braucht ein optimales Umfeld und muss gut ernährt werden. Gerade während der Trächtigkeit ist ein hochwertiges Futter mit leicht verdaudlichen Eiweißen besonders wichtig. Dazu kommt, dass Du Dir Gedanken darüber machen solltest, wo Deine Katze Ihre Babies bekommt und großzieht. Eine geschützte Wurfbox, die gut belüftet, aber nicht zugig und dabei auch leicht zu reinigen ist, sollte angeschafft werden. Die Katzenkinder brauchen ab einem gewissen Alter einen hinreichend großen, aber sicheren Auslauf. Gibt es ein Zimmer, dass Du entsprechend abtrennen kannst? Mach Dir frühzeitig Gedanken darüber, wie Du das Zimmer für die Kleinen sicher gestalten kannst!

Die Geburt

Du solltest zeitig daran denken, Urlaub zu nehmen. Denn auch wenn Katzen in der Regel ihre Babies alleine bekommen können, mußt Du für den Notfall vor Ort sein! Als verantwortungsvoller Katzenbesitzer wirst Du aber natürlich ohnehin bemüht sein, Deiner Katze in dieser Situation beizustehen. Bereite die Wurfbox gut vor. Kontrolliere alle Babies nach der Geburt und stelle sicher, dass die Katze auch die Nachgeburt abgestoßen hat. Ansonsten kann es zu schweren Vergiftungen kommen! Zur Sicherheit solltest Du nach der Geburt einen Tierarzt kommen lassen, der Mutter und Kinder noch einmal kontrolliert…

Die Kleinen werden groß

Das bedeutet Arbeit. Kleine Katzen fressen Unmengen an Futter – wovon Du Ihnen natürlich nur das beste gibst. Dabei kontrollierst Du täglich Ihr Gewicht. Du stellst sicher, dass die Katzenbabies früh an alles gewöhnt werden, was sie für ihr Katzenleben berauchen: andere Tiere, evtl. Hunde, Menschen, Besuch, den Gang zum Tierarzt, bürsten, Zahnkontrolle. Und selbstverständlich gibst Du die Kitten vollständig grundimmunsiert und entwurmt erst nach frühestens zwölf Wochen ab, um eine optimale Sozialisation zu sichern. Die neuen Besitzer wählst Du natürlich gut aus und stehst Ihnen auch in Zukunft mit Rat und Tat zur Seite.

Und Du bist für alles gewappnet

…denn es kann einiges passieren. Hast Du genug finanzielle Reserven, um auch einen eventuell notwendigen Kaiserschnitt zu finanzieren? Oder um die Tierarztkosten für den gesamten Wurf und die Mutter zu übernehmen, wenn eine Infektion auftritt? Hast Du genug Ressourcen für den Notfall? Was tust Du, wenn die Mutter nicht alle Babies annimmt und Du eins oder mehrer mit der Hand großziehen mußt? Oder wenn die Mutter nicht genug Milch hat? Die Geburt stellt auch ein Risiko für für die Mutter dar: was tust Du, wenn es zu so schweren Komplikationen kommt, dass Deine Katze stirbt? Hast Du genug Platz für weitere Katzen, wenn Du nicht für alle Babies Abnehmer findest? Oder wenn es sich auf einmal jemand anders überlegt?

Du trägst eine große Verantwortung! Wenn Du Dir nicht ganz sicher bist, dann lass Deine Katze lieber kastrieren, ohne dass sie Babies bekommen hat. Denn Katzen können auch glücklich sein, ohne Babies bekommen zu haben – alles andere sind romantische Vorstellungen von uns Menschen!

Das Bild „Mother-Child“ wurde von shioshvili bei Flickr unter Creative Commons Lizenz zur Verfügung gestellt.

Über den Autor

Kathrin

1 Kommentar

  • Ich persöhnlich bin auch der Meinung das mann sich noch vor der Geburt der Kätzchen sich informiren sollte!’Ich will das meine Katze auch Babys kriegt.Ich habe mich viel darüber informiert.Ich will nicht züchten und verkaufen,“sondern eifacheinmal Kitten haben.“Meine Kitten werde ich nicht verkaufen um Geld zu verdienen,sondern mal einfach
    halt Kitten haben.☺Ich wollte nur einmal Kitten haben.Ich werde mich bemühen das sich die Kitten bei mir wohlfühlen.

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