Unsauberkeit Teil IV - Wenn alle Stricke reißen
In den Beiträgen Krankheiten, Markierverhalten und Protestverhalten wurden zahlreiche mögliche Gründe dafür, warum eine Katze unsauber werden könnte sowie einige Lösungsmöglichkeiten dargestellt. In einigen Fällen wird eine Katze aber trotz aller Bemühungen unsauber bleiben…
Am häufigsten werden solche Fälle dann auftreten, wenn die Unsauberkeit Folge einer chronischen Erkrankung ist. Eine Lähmung der Blasenmuskulatur, Verletzungen an der Wirbelsäule, chronische Blasenentzündungen, chronische Niereninsuffizienz – all dies kann dazu führen, dass eine Katze dauerhaft unsauber wird. Es gibt aber auch Fälle von Protestverhalten, die quasi chronisch werden können. Unser Norwegerin Tass wollte immer unbedingt Freigang, obwohl sie als Wohnungskatze übernommen wurde, sie nie an Freigang gewohnt war und im Kaufvertrag mit der Züchterin, wie dies häufig der Fall ist, ein Haltung mit Freigang untersagt war (derartige Zusätze sind ungültig, da sittenwidrig!). Nun litt Tass unter chronischer Blasensteinbildung und hatte zudem Übergewicht. Auf beides wirkt sich Freigang positiv aus. Da eine fünfte Operation an Bauch der Katze nicht mehr möglich gewesen wäre und sich bereits trotz Diätfutter neue Steine bildeten beschlossen wir, trotz großer Straße in der Nähe unserer Tass zeitweise Auslauf zu gewähren. Das führte letztlich dazu, dass unsere freiheitsliebende Katze mit starkem Protest reagierte, wenn sie tagsüber nicht aus der Wohnung durfte. Regelmäßig fanden wir unseren Flur mit Kot und Urin beschmutzt, wenn wir nach Hause kamen – und nichts half. Auch keine zusätzlich aufgestellten Katzentoiletten. Da wir die Katze nur aus der Wohnung lassen konnten, wenn wir zu Hause waren, mussten wir uns wohl oder übel damit abfinden.
Ein zweiter Fall war unser Norweger Imotep, der im letzten dreiviertel Jahr seines Lebens unter schwerer Niereninsuffizienz litt. In der Zeit benutzte er nicht mehr die Katzentoilette, sondern pinkelte entweder in den Ablauf von Badewanne oder Spüle (was noch OK war) oder aber direkt vor die Katzentoilette (was ich nie verstanden habe). Auch hier konnten wir gegen die eigentliche Unsauberkeit nichts tun. Wir konnten uns letztlich mit ihm darauf einigen, dass er vor dem Katzenklo ausgelegte Inkontinenzunterlagen aus der Apotheke (90 x 60 cm große Zellstofflagen mit Plas-tikuntergrund) als Toilettenersatz akzeptierte. Das war zwar eine teure, aber angenehme Lösung, die uns allen das Leben erleichterte.
Aber was tun, wenn alle Stricke reißen und die Katze unsauber bleibt? Erst einmal braucht man dann wirklich starke Nerven. Denn es lässt sich einfach nicht schönreden: Eine dauerhaft unsaubere Katze ist anstrengend! Zunächst sollte man versuchen, die vor allem betroffenen Stellen mit Inkontinenzunterlagen, Küchenpapier oder alten Zeitungen auszulegen. Ist die ganze Wohnung betroffen, ist das schwer möglich. In einigen Fällen wie zum Beispiel bei unserem Imotep führt das aber schon zum Ziel.
Eine weitere Möglichkeit kann unter Umständen darin bestehen, die Katze Windeln tragen zu lassen. Bevor man sich aber dazu entschließt, sollte man überlegen, ob es nicht doch irgendwie möglich ist, mit der Unsauberkeit zu leben. Denn Katzen zu wickeln ist nicht unbedingt ein Spaß (weder für Mensch noch Tier) und kann extrem ins Geld gehen, da Katzen besonders kleine Windeln in Frühchen-Größe benötigen. Zudem kann Wickeln über längere Zeit zu Wundscheuern, Entzündungen und einem erhöhten Risiko für Harnwegsinfektionen führen. Die Windeln müssen 6-8 mal am Tag gewechselt werden und die Haut der Katze benötigt besondere Pflege. Mehr zum Thema bei Luna-Cat. Ein Kompromiss kann darin bestehen, die Katze nachts in einem gefliesten Zimmer ohne Windeln zu halten und tagsüber entsprechend Windeln anzulegen.
Als letztes sollte man in Betracht ziehen, ob eine andere Haltung oder neue Besitzer das Problem lösen könnten. Für unsere Tass haben wir lange Zeit nach einem Zuhause gesucht, in dem sie gesicherten Freigang bekommen hätte. Aber es ist nicht leicht, einen Platz für eine schwerkranke Katze zu finden, die zudem zurzeit unsauber ist.
Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen: Manchmal reißt einem der Geduldsfaden. Wenn man abgehetzt von der Arbeit nach Hause kommt und tritt als erstes zu Hause im Flur in eine große Lache Katzenurin, dann fragt man sich schon, warum man sich so etwas antut. Freunde und Ver-wandte sind in dieser Situation nicht unbedingt hilfreich, denn die geben diese Fragen meist nur zurück „Ja, und warum tust Du Dir das an?”. Aber wenn man dann seiner Katze in die Augen schaut, wenn sie schnurrend zusammengerollt neben einem liegt oder liebevoll mit ihrem Kopf an den Beinen langstreicht, dann weiß man eigentlich immer wieder, warum…
Das Bild “Wetcat” wurde von Jacob Davies bei Flickr unter Creative Commons Lizenz zur Verfügung gestellt. Denn es l





Hallo,
ich habe selbst eine Katze, die über 2 Jahre jeden Tag und jede Nacht auf alles gepinkelt hat, was ihr in die Nähe kam. Lag sie mal neben mir auf dem Kopfkissen, so hielt sie das nicht davon ab, 2 Sekunden später auch da reinzu pinkeln.
Ich kenne es also, wenn man morgens paranoid an seinen Klamotten schnuppert, ob da Urin dran ist. Denn auch vor der eigenen Wäsche macht das Kätzchen nicht halt.
Aus eben der eigenen Erfahrung widerstrebt es mir, den genannten Tip des Windelns zu befürworten. Wenn keine körperliche krankheit festzustellen ist, dann ist es eine seelische Krankheit. Wenn ich eine Katze wickel, dann wird es ihr seelisch nicht besser gehen - ganz im Gegenteil.
Meiner Meinung nach, wird man das Verhalten nur Verschlimmern. Mit Geduld und viel Liebe, mit der Unterstützung von Bachblüten und Pheromonen hat meine Katze nach 2 Jahren aufgehört zu pinkeln. Ich bin der festen Überzeugung, dass sie das beim Windeln noch heute machen würde.
Dennoch sehr interessanter Beitrag.
Anja
Hallo Anja,
danke für den ausführlichen Kommentar! Was für Bachblüten hast Du verwendet?
Ich selbst bin auch ein Gegner des Wickelns, wollte aber die Möglichkeit hier nicht unerwähnt lassen. Es gibt sicherlich Menschen, die nicht so viel Geduld und starke Nerven haben - oder Situationen, in denen es notwendig werden kann (z.B. wenn Besuch kommt). Bei mir wurde nie gewickelt…ich habe halt gewischt und gewaschen.
Das ins Bett pinkeln habe ich irgendwie verdrängt - das hatten wir auch…glücklicherweise haben wir ein Wasserbett, dessen Bezug man komplett waschen kann. So ging wenigstens nie etwas in die Matratze.
Liebe Grüße
Eli
Hallo Eli,
mir war nur wichtig, dass an irgendeiner Stelle noch mal betont wird, dass es der Psyche der Katze niemals helfen kann, wenn man sie wickelt. Und sinds eben nicht die Organie, die die Katze pinkeln lassen sondern die Psyche, dann muss man entsprechend reagieren.
Helfen kann man der Katze mit Wickeln jedenfalls nicht - aber gerade das Helfen sollte im Vordergrund stehen!!
Ich habe eine langfristige Unterstützung durch Bachblüten Rotbuche und Zitterpappel gewählt. Aber das muss immer individuell auf das Tier abgestimmt werden. Rotbuche sollte aber als Grundlage gewählt werden.
LG Anja
Hallo Anja,
hallo Eli,
HUT AB!!! Ich habe ja auch so einiges durch mit meinen 5 Monstern, "freue" mich eigentlich bei jedem Nachhausekommen über diverse K…-Flecken im Teppich, wenn ich im Bad mal keinen Haufen von meinem kleinen Norweger finde, fange ich schon an mich zu fragen ob er an Verstopfung leidet, aber 2 Jahre mit einer Tag und Nacht Protest-pinkelnden Katze… Bei aller Liebe, dass hält glaube ich nicht jeder durch!
Ich hatte einen jahrelang immer mal wieder aus Protest unsauberen Kater, das war schon furchtbar genug, aber jede Nacht…
"Hatte" weil sich dass irgendwann wirklich einfach gegeben hat. Zunächst war er einfach fürchterlich eifersüchtig auf meinen Freund. Ich muß dazu sagen dass der betreffende Kater ein überaus schüchterner kleiner Kerl war, den ich über die örtliche Katzenschutzgruppe bekommen habe. Es hat 2 Tage gedauert, bis ich mein Kater-Baby überhaupt anfassen konnte, ich habe mich dann aber immer schön mit ihm beschäftigt, so dass er mir gegenüber sehr anhänglich war. Meinem Freund gegenüber taute er nach einiger Zeit auch auf, allerdings wurde die Beziehung nie SO innig. Mein Dicker kam zwar bis zu einem gewissen Punkt auf ihn zu, traute sich dann aber nicht mehr weiter. Mein Freund stand auf dem -eigentlich ja richtigen- Standpunkt, dass man eine Katze zu nichts zwingen darf. Auffällig war nur, dass mein Kater seine Pinkelattacken immer auf die Sachen meines Freundes ritt: sein Kopfkissen, seinen Rucksack, seine Klamotten… Geändert hat sich das erst, nachdem ich meinem Freund den Rat gab, sich den Kater beim nächsten Mal einfach zu schnappen und ihn durchzuknuddeln, wenn er einen seiner zaghaften Annäherungsversuche macht. Hat komischerweise echt funktioniert, danach hatten wir weit weniger Probleme mit dem Katertier. Er hat es zwar immer mal wieder fertig gebracht, z.B. in meinen Rucksack zu pinkeln, wenn ich mal bei einer Freundin übernachtet habe, aber letztendlich war er da berechenbar und solange ich den Rucksack immer sofort aus seiner Reichweite geräumt habe, passierte auch nichts. Mittlerweile ist der Dicke fast 12 Jahre alt und weiser geworden, die Pinkelei hat sich irgendwann tatsächlich endgültig verwachsen. (Auch wenn ich bis heute IMMER alle Rucksäcke und Taschen versuche aus seiner Reichweite zu nehmen
)
Mir war gar nicht bewusst, dass man Katzen Windeln anlegen kann, ich glaube aber nicht, dass ich das in Betracht gezogen hätte, letztendlich glaube ich auch eher daran, dass man irgendwie versuchen muß dahinter zu kommen WARUM das Tier sich so verhält. Und im Falle meines Katers hätte ich damit wahrscheinlich auch psychisch noch mehr angerichtet, da gebe ich Anja völlig recht.
VLG
Jessi