Verhalten

Wenn Katzen Möbel zerkratzen

Wenn Katzen Möbel zerkratzen | Katzencontent
Verfasst von Kathrin

Die Katze zerkratzt Möbel, Teppiche, Tapeten – ein leider immer wieder auftretendes Problem, dass manchem Besitzer auf Dauer selbst die größte Tierliebe verleiden kann. Der erste Schritt zur Lösung führt aber – wie in so vielen Fällen – erst einmal über ein Verständnis der Grundproblematik. Warum katzt die Katze (das dumme Biest) immer wieder an der Lehne der Couch? Was stört den Satansbraten an der Auslegeware so sehr? Und was ist falsch mit der Tapete?

Katzen kratzen vor allem aus drei Gründen an Gegenständen. Der erste Grund ist das, was viele Menschen als Hautgrund für das Kratzen ansehen: die Katze will „ihre Krallen schärfen“. Die Beschreibung ist etwas missverständlich, da Katzen durch das Kratzen an rauen Gegenständen nicht ihre Krallen „scharf feilen“, wie man vielleicht vermuten könnte. Die Krallen der Katze sind wie der menschliche Fingernagel aus verschiedenen Schichten aufgebaut. Bei der Katze löst sich nach und nach die jeweils obere Hülle der Kralle ab, wenn sie an der Spitze stumpf geworden ist, und gibt die darunter liegende, noch mit einer scharfen Spitze versehene Schicht, frei. Durch das Kratzen an rauen Gegenständen oder Oberflächen, an denen sich die Krallen verhaken, wird das Ablösen der Stumpfen schicht erleichtert.

Fängt die Katze an, an Möbeln, Teppichen oder Wänden zu kratzen, weil ihr andere Möglichkeiten des Abwetzens der Krallen fehlen, kann man meist relativ leicht Abhilfe schaffen. Ein standsicherer Kratzbaum, eine Kratzmatte oder einfach ein gegen die Wand genageltes Stück Teppich hilft meist schon. Hierbei ist zu beachten, dass Katzen hinsichtlich der Kratzhaltung durchaus Vorlieben entwickeln können. Während die einen sich lieber hochrecken und an senkrechten Flächen kratzen, machen sich andere lieber lang und bevorzugen horizontale Flächen. Am besten bietet man verschiedenen Varianten an. Die Kratzflächen kann man der Katze „schmackhaft“ machen, indem man zum Beispiel Katzenminze oder einige Tropfen Baldrian darauf gibt. Zudem sollte man die Katze jedesmal, wenn sie an einem unerwünschten Ort kratzt, an die extra eingerichtete Stelle tragen. Bleiben sie dabei ruhig, damit die Katze die erlaubte Stelle nicht mit Ärger verbindet und belohnen sie sie, wenn sie brav dort kratzt, wo sie darf. Manchmal hilft es auch bei Tieren, die ein wenig „schwer von Begriff“ sind (oder einfach stur), die Pfoten vorsichtig (!) über die Kratzoberfläche zu reiben. Irgendwann ist da noch jede Katze auf den Geschmack gekommen.

Es gibt aber auch andere Gründe, warum Katzen kratzen. Zwischen den Zehenballen der Katze befinden sich Drüsen, die Pheromone absondern – Duftstoffe, die Katzen in der Kommunikation einsetzten und nutzen, um ihr Revier zu markieren. Mit jedem Kratzen setzt die Katze also eine Duftmarke. Ist diese Form des Markierens der Grund für das Kratz(fehl)verhalten, wird es manchmal schon schwieriger, das Problem zu lösen. Sicherlich hilft es immer, eine alternative Kratzmöglichkeit zu bieten. Häufig wird einem aber nichts anderes übrig bleiben, als zu akzeptieren, dass die Katze gerade da ihre Duftspuren hinterlassen möchte, da sie vielleicht unsicher ist oder sich durch dem Platz anhaftende Gerüche gestört fühlt. Dann empfiehlt es sich, zumindest eine zeit lang die entsprechenden Stellen mit robusten Materialien abzudecken. Zusätzlich kann man ein Mittel aufbringen, dass Stoffe enthält die dem natürlichen Gesichtspheromon der Katze ähneln und ihr quasi „vorgaukeln“, sie hätte den Platz schon hinreichend markiert. Dieses Mittel ist unter dem etwas irreführenden Namen Feliway (irreführend, weil es sich nicht um ein Fernhaltespray handelt) oder Felifriend bei Tierärzten erhältlich. Bei einer Katze, die aus Unsicherheit ihr Revier markieren möchte, ist es auf jeden Fall falsch, laut zu schimpfen oder aggressiv zu werden, da sie das Tier noch mehr verunsichern. Eine verzwickte Situation, wenn man gerade miterleben muss, dass seine Polstergruppe zerlegt wird. Beruhigen Sie die Katze, nehmen Sie sie weg und bringen sie sie – wie beim ersten Problem beschrieben – zu einer Stelle, an der sie kratzen darf.

Am schwierigsten ist sicherlich die Lösung des dritten Falls: Die Katze kratzt aus Dominanzverhalten oder um Aufmerksamkeit zu erregen. Katzen nutzen demonstratives Kratzen auch dazu, anderen direkt durch ihre Pose zu zeigen „Das ist mein Revier, ich habe hier das sagen!„, was natürlich mit dem markierenden Funktion des Kratzens zusammenhängt. Manchmal kann man beobachten, dass nach einem Streit unter Katzen die Gewinnerin demonstrativ zum Kratzbaum läuft und wild daran kratzt. Einerseits wird damit überflüssige, von der Auseinandersetzung übrig gebliebene Energie abgebaut, andererseits zeigt die Siegerin damit noch mal „Ich habe gewonnen und darf das hier jetzt als mein Revier kennzeichnen.“ Schön, wenn sie das an einem Kratzbaum tut. Ärgerlich, wenn dazu die Couch herhalten muss. Einige Katzen zeigen dieses Verhalten auch gegenüber Menschen. In dem Fall muss man konsequent Strenge walten lassen und der Katze signalisieren, dass sie eben nicht der Herr im Haus ist. Das bedeutet allerdings nicht, dass sie die Katze wild beschimpfen oder gar schlagen sollten. Ein scharfes „Aus“ mit einem zischenden Ton, der an das Fauchen der Katze erinnert und eine zügige Handbewegung machen Mieze meist schon deutlich, dass sie gerade etwas Verbotenes tut. Wenn man sich nicht zu dämlich dabei fühlt, kann man eine Katze gerne auch mal „anfauchen“ – warum nicht versuchen, ihr mit ihren eigenen Worten klar zu machen, dass man etwas nicht toleriert? Eine „feuchte Aussprache“ ist dabei übrigens nicht schlimm – verärgerte Katzen haben das auch. Die härtests Reaktion ist ein Nasenstüber, womit aber kein Schlagen, sondern eine gezielte, feste Berührung der Nase gemeint ist (ein Stubsen – mehr nicht!). Genau das tun Katzen auch, um Artgenossen zu stoppen: sie berühren sie mit der Tatze an der Nase. Zunächst vorsichtig, dann mit einem stärkeren Stubser. Wobei ich deutlich sagen möchte: auch wenn Katzen sich gegenseitig manchmal mit viel Kraft ins Gesicht und auf die Nase hauen, darf daraus beim Menschen wirklich nie mehr als ein Stubsen werden! Schlagen ist absolut tabu! Zur Not schieben sie die Nase der Katze mit dem Finger sanft zurück. Aber alles andere ist verboten!

Noch ein Wort zu der häufig gelesenen Empfehlung, eine Katze, die etwas Verbotenes tut, mit Wasser anzuspritzen. Ja, das mag helfen…aber Strafen sind leider nie sehr nachhaltig. Denken Sie bloß nicht, dass Ihre Katze nicht ganz genau weiß, wer der Auslöser des Wasserstrahls ist. Sobald sie außer Sichtweite sind, wird sie das verbotene Verhalten wieder zeigen. Auch wenn Bestrafung meist einen schnelleren Erfolg bringt, stärken Belohnung und der Versuch, mit Ihrer Katze eine echte Kommunikation auf „Kätzisch“ zu führen ihr Verhältnis untereinander. Und nebebei bemerkt kenne ich genug Katzen, denen ein kleiner Wasserspritze ziemlich egal wäre.

Das Bild „Artigli Claws“ wurde von capsicina bei Flickr unter Creative Commons Lizenz zur Verfügung gestellt.

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Kathrin

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