Rassen

Was ist eine Rassekatze?

Zunächst einmal ist die Frage nicht ganz korrekt gestellt, denn auch Rassekatzen sind „ganz normale Katzen“. Und im Grund sind alle „ganz normalen Katzen“ auch mehr oder weniger „Rassekatzen“ oder Mischungen aus verschiedenen Rassen. Das möchte ich in meinen Ausführungen verdeutlichen.

Zunächst einmal gibt es keinen grundlegenden qualitativen Unterschied zwischen Rassekatzen und Nicht-Rassekatzen. Rassekatzen sind keinesfalls „etwas Besseres“ als jeder Bauernhofkatze auch – jedenfalls nicht, was Ihren Wert als Lebewesen an sich angeht. Rassekatzen zeichnen sich gegenüber Nicht-Rasskatzen dadurch aus, dass sie einerseits einem bestimmten Rassestandard entsprechen und andererseits einen Stammbaum besitzen, der Ihre Vorfahren ausweist.

Zum ersten Punkt lässt sich sagen, dass ein Rassestandard in der Regel von internationalen Züchtervereinen in
Zusammenarbeit festgelegt und von Richtern auf Ausstellungen interpretiert wird. Darin liegt auch der Sinne einer Ausstellung, auf
der von einem neutralen Fachmann die Einhaltung der Rassestandards überwacht werden soll.

Zum zweiten Punkt ist anzumerken, dass der Stammbaum als Stück Papier nicht die Rassekatze an sich ausmacht. Entscheidend ist, dass die Vorfahren eines Tieres festgehalten sind und die Familiengeschichte nachvollzogen werden kann, denn nur so kann ein Tier planvoll in der Zucht eingesetzt werden. Erst wenn die Vorfahren bekannt sind, können optimale Partner zusammengeführt werden, um möglichst gesunden und rassetypischen Nachwuchs zu haben, wobei die Betonung ganz stark auf gesund liegen sollte. Ein besonderes Augenmerk liegt hierbei zum Beispiel auf der Enge der Verwandtschaft der Partner,
auf gemeinsamen Vorfahren, aber auch auf gesundheitlichen Problemen innerhalb der Familie. Aber nicht nur für den Fachmann, der Tiere in der Zucht einsetzen möchte, sondern auch für den Liebhaber ist das Lesen eines Stammbaumes wichtig und aufschlussreich. Auch ein etwas geübter Laie kann an einem Stammbaum relativ schnell erkennen, ob eng verwandte Tiere wie zum Beispiel Halbgeschwister verpaart wurden. Sollte einer der Vorfahren an einer Erkrankung mit eventueller erblicher Komponente erkranken, so kann bereits vorbeugend etwas unternommen werden. Stammbäume haben also viele Vorteile und das
Herzeigen als Beweis dafür, dass man eine Rassekatze hat, ist sicherlich der unwichtigste. Bisher ist die ganze Angelegenheit ja noch einfach und überschaubar.

Bleibt die Frage: wie entsteht denn eine Rasse?

Die erste Katze wurde ja noch nicht mit Stammbaum geboren. Ein berechtigter Einwand. Die meisten Katzenrassen gehen an irgendeiner Stelle auf so genannte Wildstocks oder auf Hybriden zurück. Kommen wir zunächst zu den Wildstocks, dem „Wildbestand“. Wildstocks sind „wild“ lebende Vertreter eine in natürlichen Populationen vorkommenden Katzenrasse. Wildstocks gibt es zum Beispiel bei der Maine Coon, dem Norweger und ähnlichem. Viele
Rassen, die auf einer Mutationen wie zum Beispiel dem Lockenfell bei den Rexen basieren, gehen übrigens ebenfalls auf Wildstocks“ zurück, denn solche Mutationen werden von Züchtern nicht künstlich herbeigeführt, sondern meistens irgendwo, z.B. auf einem Bauernhof,
entdeckt. Für viele Rassen wie z.B. die Maine Coon sind Wildstocks eine große Bereicherung für den Genpool. Sie werden als so genannte „neue Foundation“ (eine Foundation ist sozusagen das „erste Tier“ im Stammbaum) eingekreuzt. Die Nachfahren erhalten zunächst Experimental- und nach 5 Generationen Vollstammbäumen. Es bleibt allerdings anzumerken, dass die Zucht mit Wildstocks keine einfache, sondern eine hochkomplexe verantwortungsvolle Aufgabe ist. Ob jetzt ein Wildstock mehr oder weniger eine Rassekatze ist als ein Tier mit Vollstammbaum – darüber kann man sich streiten. Ein weiterer interessanter Punkt sind die Hybriden, Mischungen aus zwei verschiedenen Rassen. Einige Rassen wie zum Beispiel sehr junge Rassen oder Rassen, die auf eine Mutation zurückgehen, haben einen relativ kleinen Genpool, da sie auf wenige Tiere zurückgehen. Zur Erweiterung des Genpools und teilweise auch zur Verbesserung des Typs werden Katzen andere Rassen eingekreuzt.

Auch hier erhalten die Nachfahren zunächst meist Experimentalstammäume. Darüber hinaus gibt es noch gibt es auch noch die Fälle, in denen ein Züchter ein klares Bild davon hat, wie die Rasse, die er schaffen möchte, aussehen soll und wählt entsprechende Vertreter anderer Rassen aus, um bestimmte Merkmale zusammen zu führen. Ein plakatives Beispiel
ist die Pudelkatze, die von der Züchterin Rosemarie Wolff kreiert wurde. Stammeltern der Rasse waren Scottish Fold, die die Hängeohren lieferten, und Devon Rex, von denen das lockige Fell stammt. Ein weiteres Beispiel sind die Ragdoll, die von Ann Baker gezüchtet wurden und deren Name sogar patentiert wurde. Im Falle einer solchen neu kreierten Rasse dauert es noch sehr viel länger, bis die Katzen offizielle Stammbäume bekommen, da jede neue Rasse erst von den verschiedenen Zuchtverbänden anerkannt werden muss.

Aber was ist es nun, was eine Rassekatze ausmacht? Ich würde sagen: Dass sie aus einem Zuchtprogramm stammt, das sinnvoll geplant wurde, dass sie optimal aufgewachsen ist, sozusagen von einem Fachmann stammt…bei dem Anspruch wären dann aber einige Rassekatzen mit Papieren keine Rassekatzen mehr…

Übrigens: Fast alle „Bauernhofkatzen“ stellen Europäisch Kurzhaar Wildstocks dar und sind somit auch potentielle Rassekatzen. Also, nichts Besseres und nichts Schlechteres!

Über den Autor

Kathrin

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