Verhalten

Wann kann man Katzenbabies von der Mutter trennen?

Wann kann man Katzenbabies von der Mutter trennen? | Katzencontent
Verfasst von Kathrin

Während seriöse Züchter Katzenbabies in der Regel nicht vor der zwölften oder sogar 14. Lebenswoche abgeben, sieht man häufig Anzeigen, in denen „Kleine niedliche Katzenbabies, 8 Wochen alt“ angeboten werden. Auch wenn Katzenkinderin dem Alter bereits ohne Muttermilch auskommen, feste Nahrung zu sich nehmen und stubenrein sind, ist dieses Trennungszeitpunkt viel zu früh.

Im Gegensatz zu Hunden, deren Sozialisation nach der relativ frühen Trennung von der Mutter durch den Menschen übernommen werden kann, müssen Katzenkinder gewisse Dinge durch „ihresgleichen“ lernen. Dabei beschränkt sich die Sozialisation einer Katze eben nicht darauf, dass sie lernt, wo ihr Katzenklo steht.

Das wohlbehütete Katzenkind, dass sich bisher bei Mama so ziemlich alles erlauben durfte, muss nämlich erstmal ein Verständnis dafür bekommen, dass man bestimmte Dinge einfach nicht darf und das man mit seinem Verhalten auch negative Reaktionen hervorrufen kann. Dabei kann ist der Kontakt zu Geschwistern und Mutter, besser noch zu weiteren Katzen von immensem Vorteil. Denn die zögern nicht, dem kleinen Racker in unmißverständlicher Katzenart klar zu machen, wo der Hase das Babies längläuft.

Gerade im Zeitraum zwischem der achten und zwöften Woche wird aus einem flegelhaften Kleinkind ohne Manieren eine höfliche kleine Katze – wenn „Mensch“ sich in der Erziehung von der Katzenmutter unterstützen läßt. Denn selbstverständlich ist auch ein früher Kontakt zum Menschen und Erfahrungen mit allem, was einer Katze im menschlichen Umfeld begnen kann, genauso wichtig wie kätzische Gesellschaft.

Der Verhaltensforscher Paul Leyhausen schreibt zum Thema Sozialisierung von Kitten (zitiert nach Katzenforum Netz-Katzen):

Leider ist die Meinung nicht auszurotten, dass ein Kätzchen mit 6 Wochen alt genug sei, um von Mutter und Geschwistern weggerissen zu werden. Das glückliche Kätzchen braucht mindestens 3 – 4 Monate bei der Mutter und bei den Geschwistern. Es sind aber eben immer wieder solche Katzenwaisen, die später zu den absonderlichsten ‚Wohnungsneurosen’ neigen. Das ist nicht weiter erstaunlich, denn selbst der beste Katzenkenner kann nicht die Nestwärme, die mütterliche Liebe und auch Strenge ersetzten. Noch etwas sei hier zu Katzenwaisen gesagt: Ein Sechswochenkätzchen bleibt zeitlebens anfälliger gegen Infektionskrankheiten. Wer also ernstlich von sich behaupten will, dass er Katzen liebt, sehe davon ab, ein Jungtier zu früh von seiner Familie zu trennen.

Abschließend soll aber noch eins gesagt werden: Im Notfall ist es immer besser, ein Katzenbaby früh von der Mutter zu trennen, als sein Leben aufs Spiel zu setzen!

Das Bild „Aw Shucks“ wurde von Barb Henry bei Flickr unter Creative Commons Lizenz zur Verfügung gestellt.

Über den Autor

Kathrin

3 Kommentare

  • Zu mir als Tierpsychologin kommen häufig Katzenbesitzer mit Tieren, die auffällig oft ähnliche Defizite im Sozialverhalten haben: übernäßige Aggressionen gegen Artgenossen und Unfähigkeit zum Zusammenleben, Angst vor fremden Menschen und ungewohnten Situationen….und vieles mehr. Bei Nachfragen stellt sich leider oft heraus, dass es sich entweder um Handaufzuchten oder viel zu früh von der Mutter getrennte Katzenkinder handelt…
    Wer Welpen vor der 12. Woche von der Mutter wegnimmt, bürdet den Tieren für ihr Leben etwas auf, dass sie nie mehr loswerden können. Auch frühkindliches Verhalten wie das Nuckeln an Stoffen oder am Bezugsmenschen bleibt diesen Tieren oft bis ins hohe Alter…

  • Meine ältere Katze (11-jährig, weiblich, kastriert) verlor ihre Mutter mit etwa 3 – 4 Wochen, sie sei vergiftet worden. Das Kätzchen holte ich aus einem Putzloch im Freien, wo es sich von Fischabfällen und Abwasser ernährt hatte. Es hatte Fieber und alle möglichen Infektionen, seine Augen verklebt und das Fell filzig, es sah aus wie ein Hamster. Nach ein paar Spritzen und zwei Tagen im Haus war sie putzmunter. Seither niemals krank und immer sehr, sehr sauber, in jeder Beziehung. Jagt Mäuse und vertilgt sie mit Haut und Haar, ebenso lahme Vögel. – Vor 8 Monaten kam eine Katze hinzu, welche – noch blind – von der Mutter beim Ueberqueren einer Strasse wegen eines nahenden Autos fallen und im Stich gelassen worden war. Ich habe sie mit dem Schoppen aufgezogen. Sie ist ebenfalls putzmunter, jagdlustig und sehr lieb. Keine Frage: weder die ältere noch die jüngere Katze haben je die Mutter oder ein Geschwister vermisst. Sämtliche Anschleich-, Jagd- und Klettertechniken haben sie selbst „erlernt“, auch die Hygiene und Fellpflege. Das Sozialverhalten weicht von jenem in einer vollständigen Katzenfamilie aufgewachsenen Tier nicht im geringsten ab. Früh verwaiste Jungtiere müssen vom Menschen geschützt werden, bis sie halbwegs erwachsen sind, das ist klar. Aber ansonsten – alles Märchen und Wunschdenken, was da über die angebliche Unverzichtbarkeit der Mutter schwadroniert wird. Eine Katze braucht eine intakte Umgebung, mit viel Auslauf und Versäuberungsgelegenheit. Bäume, Sträucher, Wasser und Leben. Was nützt es, wenn ein Jungtier bei der Mutter säugt bis in die Pubertät und dann dazu verdammt wird, in einer muffigen Stube zu leben, wo es dauernd daran gehindert wird, seinen Bewegungsdrang auszuleben?

  • wir haben nachbarn, die sich als züchter ausgeben und ihre jungkatzen bereits regelmäßig im alter von 8 wochen verkaufen. sie sind in keinem katzenzuchtverein. wir sind empört, haben die nachbarn auch wiederholt auf dieses widrige verhalten hingewiesen, ohne erfolg. wer kann helfen uns eine antwort zu geben wie wir reagieren können?

Facebook Auto Publish Powered By : XYZScripts.com