Pflege Verhalten

Katzen kastrieren – warum?

Katzen kastrieren - warum? | Katzencontent
Verfasst von Kathrin

Eigentlich müsste man diese Frage mit einer Gegenfrage beantworten: Warum nicht? Wenn es um das Thema Kastration bei Tieren geht, scheiden sich immer noch die Geister. Auch wenn gerade im Fall Katze klar sein dürfte, dass man unternehmen sollte, um die unkontrollierte Vermehrung von Katzen einzudämmen, gibt es immer wieder Leute, die sich der Notwendigkeit nicht bewusst sind. Hier einige Argumente, die vielleicht helfen, den einen oder anderen zu überzeugen.

Stoppt die Katzenschwemme

Katzen sind sehr fruchtbare Tiere, die sich rasant vermehren können. Dabei sind sie relativ anspruchslos. Selbst unter schlechten Bedingungen werden Kätzinnen trächtig, gebären ihre Jungen und versuchen, sie großzuziehen. Eine Kätzin kann in einem Jahr bis zu zwei Würfe, wobei die Wurfstärke von einem bis zu über zehn Katzenbabies schwanken kann. In der Regel kann man von vier bis sechs Jungtieren ausgehen. Die Mädchen eines Wurfes können unter Umständen bereits im zarten Alter von fünf bis sieben Monaten zum ersten Mal trächtig werden. Rechnet man alle Nachkommen einer einzelnen Katze hoch, kommt man schnell innerhalb von 9 Jahren auf 14 Millionen Katzen. Diese Zahlen sind natürlich utopisch und berücksichtigen nicht die Sterblichkeitsrate. Trotzdem bleibt festzuhalten: Unkastrierte Katzen vermehren sich – mit rasanter Geschwindigkeit.

Nun kann man natürlich einwenden, dass man seine Katze nie aus der Wohnung lässt. Allerdings sollte man in dem Fall den Trieb einer rolligen Kätzin nicht unterschätzen. In der Regel wird sie ihr ganzes Geschick einsetzen, irgendwie aus der Wohnung zu entwischen, wenn sie einen Kater in der Nähe vermutet. Die Folgen sind dann abzusehen. Und wer kann schon garantieren, dass seine Katze nie ausbüxt?

Ein weiterer Einwand wäre, dass man sich als Katerbesitzer ja keine Gedanken um eine ungewollte Trächtigkeit seines Tieres machen muss. Das mag zwar sein, aber auch bei unseren Tieren sollten wir vielleicht ein wenig den Anspruch einräumen, den wir auch bei uns Menschen haben: Verhütung geht beide an!

Liebesfrust statt Liebeslust

Aus irgendeinem Grund neigen wir Menschen dazu, eine etwas romantisierte Vorstellung vom Liebesleben unserer Tiere zu haben. Gerade bei der Katze hat man dieses unabhängige Wesen vor Augen, was nachts durch die Gegend streift und (Liebes-)Abenteuer erlebt. Dass die Sexualität von Tieren aber weder etwas mit einer romantischen Beziehung noch mit einem heißen One-Night-Stand gemeinsam hat, wird einem sicherlich klar, wenn man einmal erlebt hat, wie ein Kater eine ganze Nacht verzweifelt gesungen hat oder wenn man sieht, wie eine rollige Kätzin tagelang mit erhobenem Hinterteil über den Fußboden robbt. Die Tiere stehen unter Strom, haben Stress, sind unruhig, sie fressen und schlafen weniger. Meist verlieren Kätzinen während der Rolligkeit an Gewicht. Das gleiche gilt für Kater während einer Deckperiode. Das hat mehr mit Frust statt Lust zu tun.

Nebenbei bemerkt ist der Paarungsakt von Katzen durchaus nicht romantisch, sondern hat eher raue Züge. Der Akt dauert wenige Sekunden, in denen sich der Kater mit den Krallen an der Kätzin festhält und sie mit festem Biss im Nacken packt. Der Eisprung der Katze wird dann abschließend durch den Schmerzreiz ausgelöst, den das Zurückziehen des mit Widerhaken versehnen Penis verursacht. Wie gesagt, nicht sehr romantisch und liebevoll.

Von Männern (aber auch von Frauen) kommt abschließend noch das Argument, ein Kater sei ja kein „ganzer Kerl“ mehr nach der Kastration. Interessanterweise kommt dieses Argument in Bezug auf weibliche Katzen selten oder nie. Auf jeden Fall stimmt diese „ganzer Kerl“-Argument nicht. Kater bleiben auch nach einer Kastration noch echte Kater. Einige kastrierte Kater decken sogar noch rollige Kätzinen. Und in einigen Fällen werden auch kastrierte Kätzinen noch rollig, was meist daran liegt, dass ein winziges Gewebestück bei der Entfernung des Eierstocks zurückgeblie-ben ist. Möchte man diese Rolligkeiten unterbinden, hilft meist eine Hormonspritze, da eine Entfernung der Gewebereste nicht möglich ist.

Der Gesundheit zu liebe

Nach einer Kastration werden die Tiere insgesamt ruhiger und ausgeglichener. Daher kommt auch die Annahme, Katzen würden nach einer Kastration fett und faul werden. Dies ist sicherlich nicht der Fall, wenn das Tier genügend Bewegung und eine ausgewogene Ernährung hat. Außerdem sollte man in Frage stellen, ob der durch den Sexualtrieb ausgelöste Streß wirklich ein gutes Mittel ist, einen schlanken Körperbau zu erhalten. Wahr ist, dass die Tiere bei Freigang weniger weite Strecken zurücklegen und sich nicht mehr so weit von Zuhause entfernen. Das liegt aber nicht daran, dass sie jetzt faul geworden sind. Vielmehr ist der immense Druck, ein großes Revier zu verteidigen, um möglichst viele Chancen zur Paarung zu haben, nicht mehr vorhanden. Für viele Katzen in Zeiten des modernen Autoverkehrs ein durchaus lebensverlängernder Umstand. Zudem kommt es gerade zwischen kastrierten Katern seltener zu Revierkämpfen und damit auch zu weniger Verletzungen. Damit reduziert sich auch die Ansteckungegefahr für FeLV (Leukose) und FIV („Katzenaids“) – schon wieder lebensverlängernde Maßnahmen!
Aber die Potenz hat nicht nur indirekte, sondern auch direkte Effekte auf die Gesundheit. Gerade bei weiblichen Katzen kann eine immer wiederkehrende Rolligkeit, ohne gedeckt zu werden, schwere gesundheitlich Folgen wie zum Beispiel Dauerrolligkeit aufgrund hormoneller Überbelas-tung, Zysten, schwere Gebärmutterveiterungen und eine erhöhte Tumorneigung bei Gebärmutter und Gesäuge haben. Potente Kater erkranken schneller an Prostatakrebs.

Und zum Abschluss: Es stinkt!

Ja, es stinkt. Potente Kater haben einen sehr intensiven Eigengeruch. Und was noch schlimmer ist: in den meisten Fällen fängt ein potenter Kater irgendwann an, sein Revier mit duftenden (je-denfalls für seine Nase) Urinspritzern zu markieren. Das bedeutet nicht unbedingt nur, dass sie irgendwo außerhalb des Katzenklos ihr Geschäft verrichten. Vielmehr suchen sich die Kater gezielt fremd riechende Stellen, die sie teilweise mit hoch erhobenem Schwanz besprühen. Das kann frisch gewaschene Wäsche sein oder auch das Bett. Oder die Wand. Oder das Sofa. Alles ist möglich. In einigen Fällen fangen auch sehr dominante potente Kätzinnen an, ihr Revier zu markieren.

Hab ich alles schon erlebt…meine Izi (ein Mädchen!) hat nicht nur ihre Freundin Fenya gedeckt, wenn diese rollig war, sondern auch großzügig auf der Küchenwand und am Bücherregal ihr Revier markiert. Was bin ich froh, dass jetzt alle kastriert sind.
Also, im Sinne der Tiere und zur Schonung der eigenen nerven: Lasst Eure Katzen kastrieren!

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Kathrin

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