Rassen

Ashera-Katzen – Stubentiger für 22.000 Dollar

Asisatische LeopardkatzeAm 5. Januar 2007 habe ich zum ersten Mal über die Firma Lifestlye Pets und Ihr „Produkt“, die Hypoallergene Allerca GD Katze berichtet. Nun wartet Lifestyle Pets mit einem neuen Modeaccessoire auf: Die Ashera-Katze.

Für den stolzen Preis von 22.000 Dollar bekommt man einen als „seltenste und exotischte Hauskatzenrasse“ angepriesenen…Mischling. Spiegel-Online berichtet in einem Video über diese neue „Katzenrasse“, die so neu eigentlich gar nicht ist.

Die Ashera, die eine stattliche Größe erreicht und bis zu 14 kg wiegen kann, ist aus Kreuzungen zwischen Asiatischer Leopardkatze („Leopardette“), dem Serval und der Hauskatze entstanden. Diese Kreuzungen sind aber weder neu noch gehören sie in die Hände von Anfängern. Auch der Bengale und die Savannah gehen auf ähnliche Kreuzungsprojekte zurück. Dazu einige HIntergrundinformationen.

Bengalen

Die Bengal Cat ist das Ergebnis der Kreuzung der Asiatischen Leopardkatze (Deutsch: Bengalkatze, Asiatische Leopardenkatze, Latein: felis bengalensis, Prionailurus bengalensis, Englisch: Asian Leopard Cat ALC, Leopardette) mit Haus-

bzw. Rassekatzen und stellt somit eine Hybridrasse dar. Zuchtziel war, eine Katze mit dem sanften verträglichen Wesen einer Hauskatze und dem wilden exotischen
Aussehen einer Wildkatze zu erhalten.

Die erste Kreuzungen dieser Art wurden bereits um 1960 von Jean Mill (später Sudgen) durchgeführt. Aus privaten Gründen gab Jean Mill trotz erfolgreicher Rückverpaarung das Zuchtprogramm zunächst auf. Erst in den 70er Jahren führte sie es an der Universität von Kalifornien im Rahmen einer Studie zum Genetikprogramm der Asian Leopard Cat, aus der sie eingie getupfte Mädchen erhielt, fort. Seit 1983 können Bengal Cats beim Zuchtverband TICA offiziell registriert werden und wurden 1985 zum ersten mal im Rahmen einer TICA-Show dem breiten Publikum vorgestellt. Wie jede Rassekatze erhält ein registrierter Bengale einen Stammbaum, in dem die Vorfahren – soweit bei einer Foundation möglich – nachvollzogen werden können.

Zur Zucht von Bengalkatzen findet man folgenden Hinweis:

Die F1-Generationen der Bengal sind spätestens nach Eintritt der Geschlechtsreife keine Schmusekatzen mehr und gehören in die Hände von Spezialisten. Oft haben diese auch noch die für denMenschen nicht besonders angenehme Eigenschaft, sich wie die wilde Urform, die felis bengalensis, nur im Wasser lösen zu wollen, also die Katzentoilette nicht anzunehmen. (Quelle: Savannicas Savannah Cat).

Savannahs

Savannah KatzeSavannahs sind das Ergebnis aus Kreuzungen von Haus- und Rassekatzen mit dem Serval (Latein: Leptailurus serval).

Die erste dokumentierte Verpaarung zwischen einem Serval und einer Siamkatze wurde bereits 1980 von Judy Frank durchgeführt. Zum Durchbruch wurde der Rasse dann von
Joyce Srouve von der BJ-Game Farm, New Horizon bzw. A1-Savannahs verholfen, der es trotz des erheblichen Größenunterschiedes gelang, die ersten F1-Generationen zu züchten und in die F2 weiter zu führen. Mittlerweile gibt es in den USA schätzungsweise 30 Züchter dieser Rasse. Neben der Siam wurden bereits Ägyptische Mau, Ocicat, Orientalisches Kruzhaare und auch Maine Coon sowie Bengalen in die Rasse eingekreutzt.

Mittlerweile gibt es auch für die Savannah einen Standard beim Zuchtverband TICA und die Tiere können registriert werden. Auch registrierte Savannahs erhalten somit einen Stammbaum, in dem – soweit möglich – die Vorfahren nachvollzogen werden können.

Serval

Ocicat

Ägyptische Mau

Orientalisches Kurzhaar

 

 

Ashera Cat

Die Ashera Cat ist nach Angaben von Lifestyle Pet eine Mischung aus Afrikanischem Serval, Asiatischer Leopardenkatze und Hauskatze. Darüber, wie diese Katzen miteinander verpaart wurden und um wievielen Generation das „Endprodukt“ bereits von der Foundation entfernt ist, gibt es keinerlei Informationen. Wenn wir an den Hinweis denken, dass gerade F1-Bengalen nach Eintritt der Geschlechtsreife keine lieben Haustiere mehr abgeben, sollte man hier unter Umständen vorsicht walten lassen. Denn der folgende hochwissenschaftliche Hinweishilft nicht weiter, wenn ich einen wilden 14kg-Kater bei mir zu Hause sitezn habe, der meint, er müßte jede Wohnungsecke mit seinem Urin markieren und der trotz Kastration kein Katzenklo benutzt:

„Die Ashera ist einzigartige dadurch, dass ein genetisches Monitoring eingesetzt wurde, um die Zucht zu vereinheitlichen und sicher zu stellen, dass die bestimmenden Merkmale der Ashera außergewöhnlich konstant sind.“ (Lifestylepets)

Was bitte soll das heißen? Genetisches Monitoring klingt ja toll, aber was hilft es mir, wenn ich noch nicht mal weiß, zu wie viel Prozent mein Schmusekätzchen jetzt ein Wildtier mit undomestizierten Instinkten ist? Nicht umsonst galt der Bengale noch lange in Fachkreisen als schwierig und nicht für Laien geeignet. Und jetzt soll ein Ashera das perfekte Schmusetier sein?

„Voll sozialisiert kommt die Ashera mit Kindern und anderen Haustieren gut zurecht und läßt sich – anders als andere Hauskatzen – gerne an der Leine führen.“ (Lifestylepets)

Und was passiert, wenn meine Ashera jetzt aus welchem Grund auch immer nicht voll sozialisiert ist? Da geht sicherlich so manches Designerkleidchen in Fetzen und der Schönheitschiruge muss den einen oder anderen Kratzer versorgen. Wie gut, dass die Tierchen 22.000 Dollar kosten und nur 50 pro Jahr verkauft werden sollen.

Aber was ist wirklich dran an dieser „seltenste und exotischte Hauskatzenrasse“?

Nichts. Um es kurz zu sagen. Bis zu diesem Zeitpunkt hat meines Wissens kein Zuchtverband die Ashera als Rasse anerkannt. Damit handelt es sich also im eigentlichen Sinne noch nicht einmal um eine Rasse, sondern das undefinierte Produkt einer Hybridisierung – ein Mischling. Dabei ist die Ashera noch nicht einmal einzigartig. Auch unter den Savannah finden sich Tiere, die sowohl Asiatische Leoparendkatzen als auch Servals in ihren Ahnenliste haben. Und Savannahs sind im Vergleich zur Ashera fast schon billig…

Abschließen möchte ich dem Kommentar einer Savannah-Züchterin:

[Die Rasse Savannah] hat Struktur, einen gut definierten Standard […] , sorgfältig durchdachte Zuchtprogramme, viele Züchter stehen durch den Savannah Cat Club und die Savannah Breed Section List im Dialog, [sie hat] Studien, Tests und eine Dsikussion über Gesundheit und Genetik, einen großes Zuchtverzeichnis (TICA), das die Stammbäume unserer neuen Rasse seit über fünf Jahren dokumentiert.

Was ist der Unterschied zwischen eine Savannah und der Ashera?

Ich würde sagen, die Savannah ist wie ein gut gezüchtet Rassepferd oder ein Schau-Hund – deren Linien sorgfältig verfolgt werden können und deren Zucht akribisch geplant wurde.
Die Ashera ist mehr wie ein Goldendoodle [Anm.: Kreuzung zwischen Golden Retriever und Pudel] oder ein Shitzypoo [Anm.: Kreuzung zwischen Shi-Tzu und Pudel]. Nicht registiert, auf keinen Ausstellungen gezeigt, kein Standard – sondern die Laune einiger weniger Leute, die sich dachten, das könnte Spaß machen. Und Leute zahlen Top-Dollar für diese Bastarde? Seltsam, oder?

(Bildquelle: Alle Bilder stammen aus der Wikipedia Commons und sind lizensiert nach GNU Free Documentation License, public domain oder Creative Commons Attribution ShareAlike 2.5)

Update vom 5. Februar 2008: Züchter und holländische Behörden stellen Allerca Lifestyle Pets in Frage 

Über den Autor

Kathrin

3 Kommentare

  • Wow, aber wer ist bereit 22.000 für eine Katze zu zahlen?

    Ich persönlich, liebe ja Katzen über alles, und würde ziemlich viel für meine Katze tun, und auch ausgeben, aber 22.000 für eine Katze springen zu lassen, nur um ein seltenes Objekt aus seiner natürlichen Umgebung zu reißen empfinde ich sowohl als Frechheit als auch als Tierquälerei.

    Ich finde Katzen gehören gepflegt und gehegt und ihrem natürlichen Umfeld belassen. Das ist menschlich gesehen die beste Behandlung für ein Tier.

  • Ich finde auch, dass es eine Frechheit ist, Lebewesen aus ihrem natürlichen Umfeld zu reißen, nur des Geldes wegen.

    Ich habe meine Katze bereits seit fünf Jahren, und ich kann behaupten, dass es kaum Lebewesen gibt, die so ruhige, dankbare Seelen besitzen. Wir sollten uns ihrer Natürlichkeit und Lebendigkeit erfreuen, sie an unserem Leben teilhaben lassen und mit ihnen glücklich sein.

    Egal, wie schön eine Katze ist, es sollte niemandem erlaubt sein, sie wie ein käuflich erwerbliches Sammlerutensil zu benutzen. Das ist die eigetnliche Frechheit. Die Seltenheit eines Tieres ausnutzen. Bodenlos und Schamlos.

Facebook Auto Publish Powered By : XYZScripts.com