Rassen

Allerca Lifstyle Pets – das Haustier als Modeartikel?

Allerca Lifstyle Pets - das Haustier als Modeartikel? | Katzencontent
Verfasst von Kathrin

Originalartikel vom 5. Januar 2007

Zeitungen wie unter anderem der SPIEGEL hatten es bereits im Herbst angekündigt: Eine US-Firma will eine Katzen mit manipulierten Genen ab dem Jahr 2007 verkaufen – für 3500 Dollar pro Tier (zum Artikel). Jetzt ist es so weit. Allerca geht in Produktion.

Aufmerksam wurde ich auf den Online-Shop von allerca nicht etwa in einem Allergiker-Forum, einer Selbsthilfeseite für Katzenallergiker oder einer Katzenzüchterseite. Nein. Ich fand Allerca passend zu „Allerca Lifestyle Pets“ positioniert bei stylehive. Stylhive zeigt laut Claim „What is hot. Right now.“ Stylehive ist eine typische Web2.0-Community, in der man stylische Produkte, die man für „angesagt“ hält, posten und die Trendtipps anderer anschauen kann.

Bei den auf Stylehive gezeigten Artkikeln handelt es sich meist um Kleidung, Accessoires, Schuhe, aber auch um Einrichtungsgegenstände. Manchmal taucht auch Spielzeug auf. Die meistverwendeten Tags (also Schlüsselwörter zu den Produkten) sind

fashion, shopping, shoes, handbags, purses, accessories, gifts, tshirts, necklace, sneakers, gadgets, gear, technology, watches, sports, cars, toys, motorcycles, urban, home, modern, decor, design, kitchen, furniture, lighting, living room, bathroom, spa, garden, kids, accessories, cooking, sofa, tables, carpet, textiles, windows, tableware, outdoor

Und jetzt: eine Katze. Das Allerca Lifstyle Pet. Was verbirgt sich dahinter?

Zunächst: Wer oder was ist überhaupt Allerca?

Allerca beschreibt sich auf seiner (oder ihrer?) Homepage wie folgt (Übersetzung durch den Verfasser):
ALLERCA is a lifestyle pet company
whose mission is to connect people with pets according to their
lifestyle.

By working with the latest genetic technologies, ALLERCA is helping to develop world-class expertise in the various disciplines of animal life sciences.

ALLERCA works to ensure that their customers are committed to the responsibility of owning a pet for its life. The health and well being of the animal is ALLERCA’S top priority.

At ALLERCA, we are particularly concerned about animal and bioethics, and continually study and discuss these issues both internally and with leading experts.

Headquartered in Los Angeles, California, ALLERCA works with a strategic network of experts dispersed all over the U.S. and maintains an international presence in Europe, Australia, Asia and Latin America.

Währen die ersten Punkte ja noch sehr tier- und menschfreundlich klingen, deutet der letzte Absatz bereits an, dass es hier anscheinend nicht nur um die Untersützung armer Menschen geht, die eine Katzenhaarallergie haben. Hier geht es um Geld. Um großes Geld. So berichtet der Spiegel:

Simon Brodie, Chef von Allerca, wittert bereits das ganz große Geschäft: Zum Preis von 3500 US-Dollar will er ab 2007 in den USA 200.000 Tiere verkaufen. Ein Jahr später sollen es 400.000 weltweit sein – das würde einen Umsatz von 1,4 Milliarden Dollar bedeuten.

400.000 Katzen. In Worten: Vierhunderttausend Katzen.

Ich möchte eigentlich nur kurz auf die ethischen Bedenken hinsichtlich einer gentechnisch veränderten Katze eingehen. Denn bei der Allerca GD handelt es sich nicht um eine gentechnisch veränderte Katze, sondern um ein kontrolliertes Zuchtprogramm. So schreibt Allerca:

Mit Hilfe geschützter Gentechnologien begann das Allerca Team, sich auf das spezielle Gen zu konzentrieren, dass das Fel d 1 Glycoprotein produziert. In dem Prozess wurde genetische Sequenzierung eingesetzt, um natürlich auftretende genetische Abweichungen zwischen Katzen zu identifizieren. Allerca zielte dann auf die Abweichungen ab, die die Struktur des Fel d 1 Allergens potentiell verändern konnten. Unter Verwendung ausgefeilter Bioinformatik zum Management von Zuchtprogrammen wurde in der abschließenden Phase eine Katze mit einem abweichenden Gen gezüchtet, das eine andere Version des Fel D 1 Proteins produziert – und eine Katze, die nicht länger das Autoimmunsystem von Leuten reizt, die allergisch gegen Katzen sind.

Und weiter

Obwohl es andere genetische Methoden wie zum Beispiel den Versuch, DNS einer Katze genetisch so zu verändern, dass es hypoallergene Katzen geschaffen werden können, stützen sich diese Methoden auf Kerntransfer (Cloning) und können bekannte Risiken bei geklonten Tieren zur Folge haben. Die GD Methode, die von Allerca verwendet wird, ist die effektivste Methode, gesunde hypoallergene Katzen zu produzieren und ist für das Tier harmlos.

Das bedeutet, dass bei Allerca nicht etwas das Erbmaterial von Katzen künstlich verändert wurde, sondern das nach Tieren gesucht wurde, die durch natürlich auftretende Mutation eine Veränderung aufweisen. Das ist genau das, was Züchter aller möglichen Tierarten tun, seitdem es Tierzucht gibt. Nur die Methoden, mit denen Allerca diese Veränderung aufspürte, sind natürlich etwas feiner.

Also ist die Allerca GD nichts anderes als eine neue Katzenrasse. Außer, dass es sich um ein „Produkt“ handelt, dass wahrscheinlich geschützt ist. Aber ist das wirklich etwas Neues?

Auch bei der Ragdoll hat es sich bis 2005 auch um eine geschützte Marke gehandelt. 1971 gründete Ann Baker, Züchterin der ersten Raggdolls, die International Ragdoll Cat Association (IRCA), und ließ sich den Namen Ragdoll als Markennamen schützen, um Ihre Eigentumsrechte zu schützen und die Kontrolle über die Rasse zu behalten. Der Marenschutz war bis 2005 gültig und erlaubte nur IRCA-Züchtern Ihre Tiere als Ragdoll zu bezeichnen (Abbildung: Ann Baker mit einer ihrer Ragdolls).

Ähnlich verhält es sich mit der Nebelung (langhaarige Russischblau-Variante), die durch die TICA geschützt ist (Abbildung: Nebelung).

Aber 400.000 Katzen. Das sind immerhin 2% des gesamten Katzenbestandes Deutschland. Produziert von einem Unternehmen. Vermarkte als Lifestyleartikel.

Wie viele Kätzinnen muss man halten, um 1997 200.000 Katzen zu produzieren? Selbst wenn wir davon ausgehen, dass jede Katze zweimal im Jahr wirft (was das bei Zuchtverbänden erlaubte Maxiumum ist) und im Schnitt 5 Junge bekommt, sind das 20.000 Katzen. Selbst wenn man diese Hightechkatzen im Reagenzglas erzeugt, braucht man Muttertiere, um die Babies auszutragen. Wie hält man 20.000 Kätzinnen plus die ebenfalls notwendigen Kater? Da ist dann nichts mehr mit liebevoller Aufzucht mit Familienanschluß, denn um 20.000 Mutterkatzen sinnvoll unterzubringen, bräuchte Allerca 4.000 Mitarbeiter, die sich nur darum kümmern, die Katzen bei sich zu Hause zu halten und zu versorgen. Ich bin jetzt mal davon ausgegangen, dass 5 Katzen mit Ihren Jungen (was Immerhin auch insgesamt über 30 Tiere ergibt) das Maximum sind, was man mit gutem Familienanschluß unterbringen kann. Viele Züchter halten zwar mehr als 5 erwachsene Katzen, haben aber dann nicht mit allen gleichzeitig Würfe.

Kann man daran glauben? Ich habe eher das Bild von massenhaft in Käfigen gehaltenen Katzen. Wobei auch Rassenkatzenzüchter in den USA Ihre Tiere in Käfigen halten, was in Deutschland nicht erlaubt ist. Aber möchte man so eine Katze? Die Tiere werden sicherlich sauber gehalten. Bekommen das beste Futter. Werden hervorragend versorgt. Sie sind ja auch wertvoll – immerhin 4.000 Dollar pro Tier. Aber ist das wirklich tiergerecht?

Und dann müsste man sich auch noch mit der Frage auseinandersetzen, ob die Allerca GD Katze tatsächlich eine hypoallergene Katze ist (O-Ton Allerca: ALLERCA has produced the world’s first scientifically-proven hypoallergenic cats). So findet man auf Bioepherma.com folgenden Eintrag, der genau meine Meinung wiederspiegelt:

Viele Katzenzüchter schreien bei Allercas Ankündigung auf. Sie behaupten, dass bestimmte Katzenrassen wie zum Beispiel Sibirier, Cornish Rex und Devon Rex bereits hypoallergen (und billiger) sind. Die Beweise dafür sind meist anekdotisch. Aber da es keine gesetzlichen Medizinstandards für die Verwendung des Begriffes „Hypoallergen“ zur Beschreibung von Katzen gibt […], können Züchter Sibirisches Katzen behaupten, ihre katzen seien hypoallergen.

Zu diesem Zeitpunkt können wir nicht entscheiden, welche Katze (Allerca oder Sibirier) mehr hypoallergen ist. Keine veröffentlichten Untersuchungen vergleichen die beiden Rassen. Aber das ist was Allerca auf ihrer Webseite behauptet […] Selbst wenn die Allerca Katzen nicht über das allergene Glycoprotein Fel d 1 verfügen – was nicht bewiesen ist – können Allerca Katzen immer noch andere potentiell allergene Proteine tragen. Es gibt keine nicht- allergene Katze und kann auch keine geben. Dennoch gilt die Behauptung, dass einige Katzenrassen ‚weniger Allergene haben als andere‘. Von der genetischen Variation zwischen individuellen Katzen ausgehen scheint es ziemlich wahrscheinlich, dass einige weniger Fel d 1 produzieren. Tatsächlich behauptet Allerca, dass sie ihre hypoallergenen Katzen geschaffen haben, indem sie Tiere bezüglich der natürlich auftretenden Varianz im Fel d 1 Gen gescreent haben. Allercas Behauptung ist technisch gesehen richtig, aber irreführend, da sie den Anschein erweckt, Allerca sei die einzige Quelle von Katzen mit verringertem Allergenpotential. Allerca hat bisher nicht bewiesen, dass Sibirische Katzen nicht genauso hypoallergen sind wie die Allerca Katze. Zeig uns die Daten, Allerca.

Das Bild „Fashion conscious kitty“ wurde von Anyaka bei Flickr unter Creative Commons Lizenz veröffentlicht.

Über den Autor

Kathrin

1 Kommentar

Facebook Auto Publish Powered By : XYZScripts.com